Am 17.06.2018 verstarb nach schwerer Krankheit Prof. Dr. Thomas Kotschi (FU Berlin). Thomas Kotschi ist vielen Kollegen als eleganter, origineller Vordenker ebenso wie als liebenswürdiger, bescheidener Charakter von unerschütterlicher Freudlichkeit und Gelassenheit in Erinnerung.

Thomas Kotschi, Jahrgang 1940, wurde im Jahre 1972 mit einer bemerkenswerten Arbeit zur Valenzgrammatik des Französischen an der Universität Mannheim promoviert. Seit 1976 bekleidete er bis zu seiner Pensionierung eine Professur für Sprachwissenschaft des Französischen und Spanischen an der Freien Universität Berlin; in dieser Zeit nahm er zahlreiche Gastprofessuren an renommierten Forschungseinrichtungen im frankophonen und hispanophonen Ausland wahr, darunter das Département d’Allemand der Universität Paris VII, die Facultad de Filosofía y Letras der Universität Cádiz/Spanien, der Fachbereich Etudes interculturelles et langues appliquées der Universität Paris VII, die Facultad de Lenguas Extranjeras der Universidad de La Habana/Cuba sowie die Facultad de Filosofía y Letras der Universidad Autónoma de Madrid.

Kotschis Arbeitsgebiete waren unter anderem die deskriptive Grammatik (insbesondere die Syntax), die Lexikologie, die Diskursanalyse, die Pragmatik und die Frankophonie (insbesondere das Französische in Quebec). Unter seinen Publikationen (drei Monographien, 9 Herausgeberschaften oder Mitherausgeberschaften, 37 Aufsätze und 29 Rezensionen und Miszellen) ragen vor allem drei heraus. Sein Aufsatz “Verbvalenz im Französischen” (erschienen im Jahr 1981 in: Th. Kotschi (Hg.), Beiträge zur Linguistik des Französischen; Tübingen: Narr) schlägt eine Systematik der Ergänzungsklassen des Französischen vor, die für die damalige Zeit bahnbrechend war und die auch für neuere Arbeiten zu Syntax, Dependenz und Valenz des Französischen weiterhin maßgeblich ist. Im Jahre 1983 wurde die gemeinsam mit Elisabeth Gülich verfasste Arbeit “Partikeln als Paraphrasen-Indikatoren (am Beispiel des Französischen)” veröffentlicht (in Harald Weydt (Hg.), Partikeln und Interaktion; Tübingen: Niemeyer, 249–262), die heute als romanistische Pionierarbeit auf dem Gebiet der Erforschung von Gesprächswörtern und insbesondere von Diskursmarkern gilt. Zuletzt trat Kotschi als Mitherausgeber (zusammen mit Ingo Kolboom und Edward Reichel) des wichtigen Handbuch Französisch in Erscheinung (Handbuch Französisch. Sprache – Literatur – Kultur – Gesellschaft. Für Studium, Lehre, Praxis; Berlin: Erich Schmidt Verlag, 22008).

Mit Thomas Kotschi verliert die deutsche Romanistik einen Verfechter einer modernen und in jeder Hinsicht zeitgemäßen Linguistik. Seine Studierenden, Schüler, Freunde und Kollegen trauern um einen Menschen, Lehrer und lieben Freund, der nicht allein mit dem überzeugte, was er dachte, sagte und schrieb. Thomas Kotschi beeindruckte durch das, was er war.

München, den 29.06.2018

Ulrich Detges

Beitrag von: Lars Schneider

Redaktion: Lars Schneider