Ästhetiken des Krieges – Ethiken des Friedens / Ésthetiques de la guerre – Éthiques de la paix (Veranstaltungsprojekt)

Sektion des Franko-Romanistentags, Osnabrück


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Mittwoch, 26. September 2018
Projektende
Samstag, 29. September 2018
Status
laufend
Weiterführender Link
http://www.francoromanistes.de/frankoromanistentag/osnabrueck-2018/
Thematik nach Sprachen
Deutsch, Französisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Jochen Mecke


Exposé

Der Erste Weltkrieg ist ein Wendepunkt in der europäischen Geschichte, dessen Bedeutung kaum zu überschätzen ist. Das „lange 19. Jahrhundert“ endet abrupt, Monarchien werden zu Demokratien, Staaten wie Österreich-Ungarn oder das Osmanische Reich lösen sich auf und neue Staaten wie Jugoslawien oder die Tschechoslowakei werden gegründet, in Afrika und Asien beginnen sich die Kolonien von ihren Kolonialherren zu lösen, die Machtverhältnisse verschieben sich von Europa nach Amerika und die USA werden endgültig zur Weltmacht. Schließlich wird die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ weitreichende Konsequenzen für den weiteren Verlauf der Geschichte in Europa und der Welt haben, die bald in den Zweiten Weltkrieg führen werden. Der Friede nach dem 1. Weltkrieg bereitet den 2. Weltkrieg vor.
Das Ausmaß an Verlusten überstieg alles bisher Dagewesene: 10 Millionen Tote und 20 Millionen Verwundete, allein unter den Soldaten. Die deutsche, französische, russische und italienische Armee verlor im Krieg im Schnitt etwa 15% ihrer Soldaten, Österreich-Ungarn, Serbien und das Osmanische Reich rund 20%, Rumänien sogar 28%.
Doch nicht nur Opfer, Kosten und Folgen des Krieges nahmen bisher nie gekannte Ausmaße an, sondern auch der Krieg selbst stellte in vielerlei Hinsicht ein völliges Novum in der Militärgeschichte dar, auf das die militärischen Führungen schlecht vorbereitet waren. Der erste Weltkrieg war der erste industrielle Massenkrieg mit einem großen Aufwand an Maschinen und Munitionen, mit neuen Kommunikationstechniken und neu entstehenden Waffengattungen. Die neuen technischen Möglichkeiten des modernen Materialkrieges entzog den klassischen Formen der Kriegsliteratur jegliche Grundlage: Während man die Taten der Soldaten in traditionellen Kriegen noch erzählen kann, lassen sich moderne Stellungs- und Grabenkriege und Materialschlachten nicht mehr mit den konventionellen Mitteln epischen Erzählens bewältigen. Maschinengewehre, Schrapnells, Kanonen, Bomben und Granaten haben nicht nur die Kriegsführung verändert, sondern auch das klassische Erzählgerüst aus den Angeln gehoben und neue Formen des Schreibens hervorgebracht. Lange bevor die Entmenschlichung zum Signum moderner Kunst und Literatur wurde, war sie im 1. Weltkrieg zur Realität der Soldaten geworden.
Die Sektion möchte daher der Frage nachgehen, wie Literatur auf diese Herausforderung reagiert. Dabei sollen unterschiedlichste Ausdrucks- und Gattungsformen betrachtet werden: Das Spektrum umfasst Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Reportagen, Erzählungen, Novellen, Romane, lyrisch-poetische und dramatische Texte. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf der Frage liegen, mit welchen literarischen Techniken Autoren auf die neuen Bedingungen des Krieges reagieren und welche Positionen sie in poetologischer und ästhetischer Hinsicht beziehen.
In literaturhistorischer Hinsicht möchte die Sektion möchte dabei auch die unterschiedlichen Epochen der Beschäftigung mit dem 1. Weltkrieg untersuchen: Einen ersten Schwerpunkt bilden dabei die Werke von Zeitzeugen, das heißt Werke derjenigen Autoren, die den Krieg selbst miterlebt haben, schließlich werden auch die Darstellungen durch die Generation der Kinder und Enkel der „Poilus“ mit einbezogen. Die folgenden drei Epochen interessieren uns im Besonderen: der Krieg und die unmittelbaren Nachkriegsjahre, die Zeit zwischen dem 1. Und 2. Weltkrieg und die 80er Jahre, in denen die Enkelkinder sich mit den jungen Menschen identifizieren, die ihre Großeltern 1914 waren.
Dabei möchte die Sektion die Untersuchung unterschiedlichen Gattungs- und Ausdrucksformen sowie auch die unterschiedlichen Epochen mit einem neuen Ansatz kombinieren, der als theoretische und methodische Klammer der verschiedenen Analysen dient. Der Fokus liegt dabei auf einer konkreten Forschungsperspektive, aus der die einzelnen Werke untersucht werden sollen. Es geht um die ethische Dimension der konkreten Gestaltung der Texte, die sowohl für faktuale als auch für fiktive Texte greift. Unmittelbar wird diese Dimension etwa bei Darstellungen der Tötung feindlicher Soldaten greifbar. Denn während der Krieg die Lizenz zum Töten verleiht, ist die Lizenz zur Darstellung des Tötens keineswegs eine literarische Selbstverständlichkeit. Allerdings umfasst die ethische Dimension literarischer Darstellungsformen wesentlich mehr, denn es geht um die Untersuchung der ethischen Einstellung, die durch die jeweilige ästhetische Form vermittelt wird. Um den gewählten Ansatz durch ein weiteres konkretes Beispiel zu veranschaulichen: Es fällt auf, dass sowohl die Tagebücher als auch die fiktionalen Schilderungen des 1. Weltkrieges die existenziell bedeutsamsten Ereignisse wie Kampf, Verwundung und Tod zum Teil auch der nächsten Kameraden und Freunde oftmals in einer nüchternen, sachlichen Sprache schildern, dies ganz unabhängig von der Nation, der die Autoren angehören. Was später in Deutschland unter der Kategorie „Neue Sachlichkeit“ eine literarische Strömung zusammenfassen sollte, bildete sich hier im ersten Weltkrieg heraus und zwar nicht nur in Deutschland, zum Beispiel bei Erich Maria Remarque oder Ernst Jünger, oder in Amerika bei Ernest Hemingway, sondern auch in Frankreich bei Barbusse, Cendrars oder Genevoix. Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen:
Was steht bei diesen ästhetischen und gleichzeitig ethischen Stellungnahmen auf dem Spiel? Was sind die Ursachen und Folgen dieser Positionsbestimmungen? Welche Haltungen generieren sie bei den Lesern? Liefert die ethische Dimension der Ästhetik eine Erklärung für die so oft bemängelte ästhetische Qualität der literarischen Werke der Zeugen, zumindest wenn den literarischen Kanon der Moderne als Maßstab nehmen? Um diese Fragen zu beantworten, möchte die Sektion einen intensiven und fruchtbaren Dialog zwischen international renommierten Forschern und jungen Nachwuchswissenschaftlern initiieren, die am Anfang ihre Laufbahn stehen.

La Première Guerre mondiale constitue un tournant dans l’histoire européenne dont l’importance ne saurait être surestimée. Le « long 19e siècle » se termine brusquement, des monarchies se transforment en démocraties, les empires austro-hongrois et ottoman se dissolvent et de nouveaux états naissent comme la Yougoslavie ou la Tchécoslovaquie. En Afrique et en Asie, les colonies commencent à s’émanciper de leurs colonisateurs et les États-Unis finiront par devenir une puissance mondiale. Enfin, la « catastrophe originelle » du 20e siècle aura des conséquences profondes pour la suite de l’histoire européenne et du monde dont la manifestation la plus importante est évidemment la Seconde Guerre mondiale.
L’ampleur des pertes dépasse les dimensions connues jusqu’alors : 10 millions de morts et 20 millions de blessés, sans même prendre en compte les pertes civiles. Les armées allemandes, françaises, russes et italiennes perdent en moyenne 15% de leurs soldats, l’Autriche-Hongrie, la Serbie et l’Empire ottoman environ 20%, la Roumanie voir 28%. La population civile paye un tribut de 7 millions victimes, dont 700.000 morts de famine dans l’Empire Allemand, sans compter la grippe espagnole qui provoque à elle seule la mort de milliers de personnes. Le coût de la Grande Guerre, 956 milliards de « marks d’or » en tout, dépasse de loin la capacité économique des nations européennes. Le coût de la reconstruction seulement pour le nord de la France est estimé à 100 milliards de francs.
Mais ce ne sont pas seulement les victimes, les coûts et les conséquences de la guerre qui prennent des proportions sans précédent. C’est aussi la guerre elle-même qui présente, à bien des égards, une un phénomène complètement nouveau dans l’histoire militaire et auquel les états-majeurs étaient mal préparés. La Grande Guerre a été la première guerre industrielle massive avec d’énormes équipements et munitions, avec de nouvelles technologies de communication et de nouveaux types d’armes. Ces nouvelles possibilités techniques détruisent les fondements de la forme épique conventionnelle de la littérature de guerre. Alors que la guerre traditionnelle permettait de raconter les faits et les actes héroïques des soldats par des formes de récit conventionnelles, les nouvelles formes de la Première Guerre Mondiale avec ses bombardements à longue distance, ses batailles de matériel des tranchées ne sauraient plus faire l’objet d’un récit épique. En fait, les mitrailleuses, les éclats d’obus, les canons, les bombes et les grenades ont non seulement détruit des paysages entiers et des êtres humains, mais aussi la structure narrative classique pour donner naissance à de nouvelles formes d’écriture. Bien avant que la déshumanisation ne devienne l’enseigne de l’esthétique moderne, elle est déjà une réalité cruelle pour les soldats.
La section « Esthétique de guerre, esthétique de paix » se propose par conséquent d’examiner la façon dont la littérature mais aussi des genres qui, du moins à l’époque n’était pas considérées littéraires à l’époque (comme par exemple la correspondance ou le journal) répondent à cette nouvelle réalité en embrassant une grande variété de formes d’expression dont l’éventail va de la correspondance intime au roman, comprend des journaux intimes, des lettres, des rapports, des récits, des nouvelles, des romans et des textes dramatiques et des poèmes. Une attention particulière sera accordée à la question avec quelles techniques littéraires les auteurs réagissent aux nouvelles conditions de guerre et quelles positions poétologiques et esthétiques ils occupent tout au long du 20e et 21e siècles.
En ce qui concerne l’histoire littéraire, la section se propose donc d’embrasser différentes périodes de la représentation littéraires de la Grande Guerre qui s’étendent de la littérature des témoins qui avaient vécu la guerre eux-mêmes, en passant par la génération des enfants jusqu’aux petits-enfants des poilus. Les trois périodes d’intérêt sont donc: la guerre et ses lendemains immédiats ; l’entre-deux guerre ; et les années 80 quand les petits-enfants s’identifient au jeunes qu’ont été leurs grands-parents en 14.
Le panel souhaite faire résonner les différents genres, modes et formes littéraires qui, aujourd’hui comme hier, prennent la Grande Guerre pour sujet en les abordant par le biais d’une approche théorique et méthodologique qui s’est développée depuis que la problématique a joui d’une actualité renouvelée. Attentive aux images et toujours soucieuse d’esthétique, cette nouvelle perspective de recherche intègre la dimension éthique des textes, qu’ils relèvent du témoignage ou de la fiction.
Les enjeux apparaissent de manière caractéristique dans les séquences qui relatent la mise à mort d’un ennemi. Alors que la guerre donne le droit de tuer l’ennemi, la littérature sur la guerre, ne s’autorise pas aussi facilement qu’on le croit parfois de représenter le fait de tuer.
La dimension éthique de l’esthétique est complexe et elle mérité des études approfondies. Pour illustrer la particularité de l’approche adoptée par un autre exemple : il est frappant de constater que les journaux intimes et les fictions consacrées à la Première Guerre mondiale, les évènements importants tels que les combats, les blessures et la mort de camarades les plus proches sont parfois décrits dans un style sobre, prosaïque et impassible. Si en France le réalisme, voire le naturalisme, semble avoir été le mode privilégié, en Allemagne une esthétique comme la « Neue Sachlichkeit » a pu exister à côté de l’expressionnisme. Ce qui donc, plus tard, en Allemagne se présente comme un nouveau mouvement esthétique, notamment celui de la « Neue Sachlichkeit », nait, en réalité, déjà dans ces textes sur la Grande Guerre, et ceci non seulement en Allemagne, par exemple dans les œuvres d’Erich Maria Remarque ou d’Ernst Jünger, ou dans la littérature américaine, dans les textes d’Ernest Hemingway, mais surtout en France avec, par exemple, les récits de Barbusse, Genevoix ou Dorgelès. Plus tard et tout en s’inscrivant majoritairement dans le « réalisme », la génération des enfants et des petits-enfants adoptera des choix esthétiques originaux, ayant d’autre implications éthiques.

Le panel est ouvert à toutes les interventions qui placeront la réflexion entre esthétique et éthique en leur centre. Quels en sont les motifs caractéristiques ? Quelles réactions provoquent-elles chez les lecteurs ? Est-ce que l’examen de la dimension éthique de l’esthétique peut contribuer à penser la qualité littéraire souvent décevante des œuvres de témoignage sur toile de fond de modernisme ?

Pour répondre à ces questions, la section veut mettre en œuvre un dialogue entre des chercheurs d’une renommée internationale et de jeunes chercheurs qui débutent leur carrière.


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Jochen Mecke
Erstellungsdatum
Mittwoch, 08. November 2017, 16:42 Uhr
Letzte Änderung
Mittwoch, 08. November 2017, 16:50 Uhr