Sprache(n) im Exil (Sammelband)


Allgemeine Angaben

Herausgeber

Christoph Gabriel Esther Kilchmann Doerte Bischoff

Verlag
text+kritik
Stadt
München
Publikationsdatum
2014
Reihe
Jahrbuch Exilforschung 32
Weiterführender Link
http://etk-muenchen.de/search/Details.aspx?SeriesID=RM708&ISBN=9783869163741#.VJ_tG_8PA
ISBN
978-3-86916-374-1 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Sprachübergreifend
Disziplin(en)
Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft
Schlagwörter
Spracherosion, Zweitspracherwerb, Exilforschung, Sprachkontakt

Exposé

“Aus einem Land kann man auswandern, aus der Muttersprache nicht” – mit diesen Worten behauptet Schalom Ben-Chorin, der 1935 als Fritz Rosenthal aus Deutschland nach Palästina emigrierte, den Anspruch auf kulturelle Zugehörigkeit jenseits staatlicher Machtansprüche und territorialer Grenzziehungen. Traditionelle Vorstellungen von sprachlicher Verwurzelung und einer zwingenden Verbindung von Sprache und Nation werden hier infrage gestellt. Das Exil verändert jedoch nicht nur Einstellungen zur Herkunftssprache, sondern erzwingt auch eine existenzielle Auseinandersetzung mit fremden Sprachen. Sprachpraxis und Sprachdenken Vertriebener reflektieren auf vielfältige Weise Prozesse von Sprachwechsel, (Selbst-)Übersetzung, Sprachmischung, Sprachverlust oder Sprachbewahrung. Die Beiträge des Bandes erkunden, auf welche Weise das Exil “in fremden Sprachen” Einstellungen gegenüber einzelnen Sprachen, aber auch gegenüber Fragen von Ein- und Mehrsprachigkeit auf spezifische Weise prägt und verändert. In Bezug auf neuere linguistische Untersuchungen sowie aktuelle kulturwissenschaftliche Forschungen werden Dokumente und literarische Zeugnisse des Exils neu gelesen. Manche Textzeugnisse, die bisher nicht beachtet wurden, kommen so erstmals in den Blick. Zugleich leisten die Beiträge in ihrer Fokussierung auf die Bedeutung von Sprache(n) unter den spezifischen Bedingungen des Exils auch einen Beitrag zur Ausdifferenzierung linguistischer und kulturwissenschaftlicher Forschungen zu Sprachwechsel und Mehrsprachigkeit sowie zum vielfältig ideologisierten Konzept der Muttersprache.

Inhalt

Doerte Bischoff, Christoph Gabriel, Esther Kilchmann

Sprache(n) im Exil. Einleitung

I. Sprachkonzepte des Exils
Susanne Utsch: “In einer fremden Sprache gestalten kann man nicht: Der prägende Einfluss von Muttersprachideologien der 1920er und 1930er Jahre auf die Sprachbewahrungstendenz der Exilintellektuellen”
Utz Maas: “Sprache bei exilierten Sprachforschern”
Esther Kilchmann: “Von short sentences, fancy-dresses und jeux de mots. Die Psychoanalyse und der exilbedingte Sprachwechsel”
Birgit Erdle: “Adornos Sprachdenken im Exil”
Daniel Weidner: “Doppelstaat, Unstaat, Massenwahn. Wissenschaftssprache und politisches Denken im Exil”

II. Sprachverlust, Spracherhalt, Sprachwandel: Linguistische Analysen
Monika Schmid, Cornelia Lahmann, Rasmus Steinkrauss: “Sprachverlust im Kontext von Migration und Asyl”
Ilse Stangen, Tanja Kupisch: “Erhalt und Verlust von Sprache(n) im Migrationskontext: Vom Nutzen der Analyse herkunftssprachlicher Daten für die Exilforschung”
Christoph Gabriel, Susann Fischer, Elena Kireva. “Judenspanisch in Bulgarien: Eine Diasporasprache zwischen Archaismus und Innovation”
Eva Duran Eppler: “Sprach- und Kulturverlust im Exil”
Simona Leonardi: “Sprachmetaphorik in biografischen Interviews mit Israelis deutschsprachiger Herkunft”

III. Mehrsprachigkeit in der Exilliteratur: Formen, Funktionen, Grenzen
Primus-Heinz Kucher: “A precarious balance between my two means of expression (H. Spiel). Sprachreflexion, Kulturtransfer und mehrsprachige Werksignatur im Exil am Beispiel von Leo Lania und Hilde Spiel”
Mark Gelber: “Mehrsprachigkeit und Stationen des Exils in der Literatur des Überlebens: Stefan Zweig, Fanya Gottesfeld Heller, Ruth Klüger”
Reinhard Andress: “Benno Weiser Varons Dreisprachlichkeit im Exil: ein Beispiel für Transkulturalität”
Lina Barouch: “Heim(at)liche Nacht. Die mehrsprachigen Gedichte Ludwig Strauss’ aus den Jahren 1936 bis 1937 in Palästina”
Friederike Heimann: “Sprachexil. Zum Verhältnis von Muttersprache und ‘Vätersprache’ bei Gertrud Kolmar und Paul Celan”
Jenny Willner: “Sprache, Sexualität, Nazismus. Georges-Arthur Goldschmidt und die deutsche Sprache”
Elisabeth Güde: “Linguas i egzilos, diller ve sürgünler. Über sephardische Mehrsprachigkeiten in der Literatur”

Rezensionen

Kurzbiografien der Autoren und Autorinnen


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Christoph Gabriel
Erstellungsdatum
Mittwoch, 31. Dezember 2014, 13:51 Uhr
Letzte Änderung
Freitag, 09. Januar 2015, 14:34 Uhr