Das Präsens als Erzähltempus im Roman (Monographie)

Eine gedruckte Antwort auf den Film


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Benjamin Lucas Meisnitzer

Verlag
Narr Francke Attempto Verlag GmbH+Co. KG
Stadt
Tübingen
Publikationsdatum
2016
Auflage
1
Reihe
Orbis Romanicus (2)
Weiterführender Link
http://narr-starter.de/magento/index.php/das-prasens-als-erzahltempus-im-roman.html
ISBN
978-3-8233-8001-6 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Deutsch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Sprachwissenschaft
Schlagwörter
narratives Präsens, Mündlichkeit-Schriftlichkeit, Intermedialität, historisches Präsens, Temporalsemantik, Schriftlichkeit

Exposé

In spontanen Befragungen lehnen die meisten Leser das Präsens als Erzähltempus im Roman ab. Auch Literaturkritiker und ein breiter Teil der klassischen Tempusforschung sprechen dem Präsens jegliche Eignung als Erzähltempus ab. Dessen ungeachtet nutzen zahlreiche Autoren, darunter auch Nobelpreisträger wie J.M. Cotzee, Jean-Marie Gustave Le Clézio oder Elfriede Jelinek, bewusst das Präsens als Erzähltempus in ihren Romanen. Die vorliegende Monographie geht der Frage nach, ob das Präsens als Erzähltempus seinen semantischen Grundwert entfaltet oder ob die temporale Ordnung des Erzählten dadurch aufgelöst wird.
Durch die Betrachtung soll besonders die weit verbreitete Reoralisierungshypothese von Fleischmann (1990) widerlegt werden. Basis dafür ist die sorgfältige Analyse syntaktisch-pragmatischer Unterschiede zwischen dem Gebrauch des Präsens in mittelalterlichen Texten als historischem bzw. vergangenheitsaktualisierendem Präsens, als markierter Form innerhalb der Erzählung, und einem narrativen Präsens als durchgängigem Erzähltempus – einer gedruckten Antwort auf den Film. Der mittelalterliche Gebrauch des Präsens wird besonders im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit und von Temporalität und Aspektualität beleuchtet. Erkenntnisse über das Präsens als Erzähltempus im modernen Roman bieten vor allem der Rückgriff auf die perspektivische Leistung von Tempus und den Wandel der Perspektive auf fiktionale Welten durch die Etablierung des Films im 20. Jh. sowie die Einsichten der Intermedialitätsforschung. Die Monographie lädt zu einer sprachübergreifenden diachronen Reise auf den Spuren des narrativen Präsens ein.

Inhalt

1.Einleitung: Neubewertung des ‘historischen Präsens’ im fiktionalen narrativen Text
2.Sprache und Zeit *
2.1 Tempus und Polyfunktionalität
2.2 Tempus und Perspektive
2.3 Die Bedeutung von ZEIT in der zeitgenössischen Literatur und Narratologie
2.4 Zusammenfassung: Temporalität, Tempus und Perspektive
*3.Sprache und Denken

3.1 Sprache als komplexes, multifunktionales semiotisches Zeichensystem
3.2 Sprache und die menschliche Sicht der Welt
3.3 Sprache als zeichenbasiertes Kommunikationsmittel mit verschobener Referenz
3.4 Sprache im Spannungsfeld von abstraktem System und individuellem Sprechakt
3.5 Zusammenfassung: Lexik und Grammatik in der menschlichen Sprache und die Repräsentation der Welt
4.Das Präsens im Spannungsfeld von Aspektualität und Temporalität
4.1 Der ATM-Bereich und die Möglichkeiten des Perspektivenwechsels
4.2 Das Präsens innerhalb der ATM-Kategorie und seine temporale Semantik
4.2.1 Tempus als deiktische Kategorie
4.2.2 Tempus in schriftlich fixierten Texten und das Problem der ‘Sprechzeit’
4.2.3 Das Präsens und die Polyfunktionalität der Tempora
4.3 Aspekt als Basisebene des ATM-Komplexes
4.4 Das Präsens von perfektiven und imperfektiven Verben
4.5 Die Kluft zwischen Grammatik und Lexikon am Beispiel von Tempus vs. Temporaladverbien
4.6 Zusammenfassung: Die Grundbedeutung des Präsens im Spannungsfeld von Aspektualität und Temporalität
5.Fiktionalität in der Literatur und die Frage nach einerGrammatik des fiktionalen Erzählens
5.1 Die fiktionale Welt im Roman
5.1.1 Fiktion und Fiktionalität und ihre Bedeutung für linguistische Studien zum Präsens
5.1.2 Deixis und das Kommunikationsmodell im Roman
5.2 Tempusgebrauch und Perspektive in fiktionalen Erzählungen
5.3 Zusammenfassung: Die Besonderheiten des (fiktionalen) narrativen Textes im Hinblick auf Tempusbeschreibungen
6.Das aoristische Präsens als Erzähltempus in antiken undmittelalterlichen narrativen Texten
6.1 Das aoristische Präsens im Latein
6.1.1 Das Präsens als Erzähltempus in der Forschungsliteratur zum Latein
6.1.2 Das Präsens als Erzähltempus in historiografischen narrativen Werken
6.2 Der ‘Untergang’ des aoristischen Präsens im Zuge der Entwicklung vom Lateinischen zu den romanischen Einzelsprachen
6.3 Das aspektuelle, aoristische Präsens im Altspanischen und im Altfranzösischen: Poema de Mio Çid und La Chanson de Roland
6.4 Die Genese des analytischen romanischen Perfekts im Licht einer Neubewertung des ‘historischen Präsens’
6.5 Das aspektuelle, aoristische Präsens in den germanischen Sprachen
6.6 Zusammenfassung: Das aspektuelle Präsens in mittelalterlichen narrativen Diskurstraditionen
7.Das vergangenheitsaktualisierende, perspektivische und das narrative Präsens zum Ausdruck zweier unterschiedlicher Perspektiven
7.1 Das vergangenheitsaktualisierende, perspektivische Präsens
7.2 Der Erzählerkommentar an der Schnittstelle zwischen vergangenheitsaktualisierendem und narrativem Präsens
7.3 Der nouveau roman und das Aufkommen des narrativen Präsens
7.4 Das narrative Präsens und die Genese eines neuen Erzählmusters
7.5 Zusammenfassung: Das narrative Präsens und die Kodierung einer neuen Perspektive auf die erzählte Welt
8.Die Frage nach dem narrativen Präsens in Aspektsprachen am Beispiel des Russischen
8.1 Restriktionen des Präsens als Erzähltempus im Russischen
8.2 Tempus und Aspekt im Russischen
8.3 Das Präsens als Erzähltempus im Russischen
8.3.1 Das vergangenheitsaktualisierende, perspektivische Präsens im Russischen
8.3.2. Das narrative Präsens in russischen Romanen
8.3.3 Das narrative Präsens in Übersetzungen
8.4 Zusammenfassung: Diskursnorm und Perspektivik – Das narrative Präsens in übersetzten und in autochthonen russischen Romanen
9.Neubewertung des Präsens als Erzähltempus im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie von Sprach- und Diskurswandel
9.1 Das aspektuelle, aoristische und das narrative Präsens im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
9.1.1 Das Dilemma der ‘historischen Mündlichkeitsforschung’
9.1.2 Die Unzulänglichkeit der Reoralisierungshypothese als Erklärungsansatz für das narrative Präsens
9.1.3 Der ‘Untergang’ des aspektuellen, aoristischen Präsens im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
9.1.4 Das narrative Präsens im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
9.2 Das aspektuelle, aoristische und das narrative Präsens im Spannungsfeld von Sprach- und Diskurswandel
9.3 Zusammenfassung: Das aspektuelle, aoristische und das narrative Präsens – zwei unterschiedliche Phänomene
10.Das narrative Präsens als Mittel zum Erzählen im ‘Hier und Jetzt’
10.1 Der Siegeszug des ‘falschen Präsens’
10.2 Der Einfluss des Films auf die Erzählstruktur des Romans
10.3 Das narrative Präsens aus der Perspektive des Lesers
10.4 Zusammenfassung: Das narrative Präsens als grammatisches Instrument zur Simulierung von ‘filmischer’ Perspektive in Romanen
11.Zusammenfassung und Ausblick: Neubewertung des Präsens als Erzähltempus in diachroner Perspektive im Spannungsfeld von Aspektualität und Temporalität
Abkürzungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Bibliografie


Anmerkungen

keine

Ersteller des Eintrags
Narr Francke Attempto Verlag GmbH+Co. KG
Erstellungsdatum
Dienstag, 14. Juni 2016, 16:38 Uhr
Letzte Änderung
Freitag, 17. Juni 2016, 13:49 Uhr