L'Art du rire. Zur Genese, Faktur und Funktion der comédie contemporaine (Promotionsprojekt)


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Donnerstag, 01. Oktober 2015
Status
laufend
Hochschule
Universität Hamburg
Stadt der Hochschule
Universität Hamburg
Thematik nach Sprachen
Französisch
Disziplin(en)
Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Gattungspoetik, Yasmina Reza

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Christiane Müller-Lüneschloß

Passiv beteiligte Person(en)

(z.B. Betreuer, Berater)

Marc FöckingSilke Segler-Meßner


Exposé

Einreichung der Dissertationsschrift am 23.09.2020 (Verteidigung ausstehend).

L’Art du rire. Zur Genese, Faktur und Funktion der comédie contemporaine

Die Dissertation stellt die Ästhetik komischer Dramen aus Frankreich von den 1970er-Jahren bis zur extremen Gegenwart ins Zentrum, mit dem Ziel, deren inhaltlichen wie formalen Bezugspunkte zu der Gattung Komödie (comédie) zu eruieren. Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die Beobachtung, dass die comédie innerhalb der letzten Jahrzehnte zum favorisierten Genre im Theater und im Film avanciert ist, besonders seit Yasmina Rezas internationalem Theatererfolg « ART » (1994). Zumal kommt der comédie in der französischen Kultur ein besonderer Stellenwert zu, wovon schon die wiederholten Aktualisierungstendenzen im Laufe der Literaturhistorie zeugen. Bisher wird jedoch eine literaturwissenschaftliche Studie vermisst, die eine comédie contemporaine im Sinne einer Textgruppenbildung untersucht. Problematisch ist in diesem Zusammenhang im Besonderen, dass die aristotelischen Dramengattungen spätestens seit dem théâtre de l’absurde und heute auch im Diskurs des postdramatischen Theaters als obsolet gelten. Diesem Spannungsfeld, also der kontinuierlichen Rekonstruktion der Gattung gegenüber den Dekonstruktionstendenzen besonders in der Gegenwartsliteratur, begegnet die Dissertation, indem sie sich mit den Textgruppenbildungen, poetologischen Krisen und Aktualisierungen der Komödie in Frankreich von Molière bis zur Gegenwart auseinandersetzt. Es geht indes weniger um die Proklamation eines Neoaristotelismus und vielmehr um die Signifikanz, welcher den Spieltraditionen Molières und anderer paradigmatischer Komödienautorinnen auch in der Gegenwartsdramatik noch zukommt. Auf der Basis einer exemplarischen Textauswahl, die allen voran Yasmina Rezas komische Stücke umfasst, werden daher Formen und Funktionen ihrer Aktualisierung konkret eruiert, wobei auch der Impetus von gesellschaftlichen wie ästhetischen Paradigmenwechseln im 20. Jahrhunderts von Relevanz ist.

Zunächst lässt eine theaterhistorische Skizze nachvollziehen, dass über das ‚Ende‘ der klassischen Gattung zwar seit dem 18. Jahrhundert debattiert wird, zugleich aber eine rege Fortschreibung zu beobachten ist, die ihren Höhepunkt in den zahlreich neu gegründeten Privattheatern im Paris der Moderne erfährt. In der Konsequenz rekonstruiert die Dissertation die Poetik der comédie classique anhand einschlägiger Dokumente aus der Epoche sowie exemplarischer Komödien, allen voran denen Molières. Davon ausgehend wird die Entwicklung der Gattung bis zur Moderne eruiert, wozu ebenfalls paradigmatische Texte von Marivaux, Eugène Labiche und anderen auf ihre (generischen) „Familienähnlichkeiten“ (vgl. hierzu zuletzt Hempfer 2018, 179) hin untersucht werden. Im Anschluss daran werden Formen und Funktionen des Komischen in Dramen von der Avantgarde bis zum Nouveau Théâtre denen der Komödie gegenübergestellt. Die Studie mündet in dem close reading von als comédie deklarierten Dramentexten (1968–2010), speziell durch die Linse des für Komödien typischen gesellschaftlichen Mikrokosmos der Familien- und Paarbeziehungen, weshalb hier auch (aber nicht nur) Gender-Fragestellungen eine Rolle spielen. Somit werden die Texte daraufhin ergründet, welchen gesellschaftlichen Wandel sie im Laufe der Zeit in diesem Mikrokosmos reflektieren und welche Funktionen dabei gerade komischen Strategien zukommt, etwa der Travestie, Parodie, Spott etc. Nicht zuletzt für diese komischen Modi werden zeitgemäße Rekodierungen auf einer übergeordneten Ebene im Sinne des Diskurses aufzufächern sein.


Anmerkungen

Promotion im strukturierten Doktorats- und Stipendienprogramm Doktorandenkolleg Geisteswissenschaften
Weiterhin gefördert durch den Gleichstellungsfond der Universität Hamburg

Ersteller des Eintrags
Christiane Müller-Lüneschloß
Erstellungsdatum
Freitag, 16. Oktober 2020, 12:21 Uhr
Letzte Änderung
Sonntag, 18. Oktober 2020, 12:05 Uhr