Lateinisches Unterrichtswerk: Ausgabe A für grundständiges Latein (Monographie)

Teil 3


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Eduard Bornemann Axel Schönberger Sydney Smith

Verlag
Valentia; Domus Editoria Europaea (DEE)
Stadt
Frankfurt am Main
Publikationsdatum
2006
Auflage
1
ISBN
978-3-936132-07-6 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Latein, Sprachübergreifend
Disziplin(en)
Sprachpraxis
Schlagwörter
Latinistik

Exposé

Zur Neuausgabe Lateinischen Unterrichtswerkes, Band A3

Vorliegende Neuausgabe des dritten Bandes der vierbändigen Ausgabe A des Lateinischen Unterrichtswerkes von Prof. Dr. Eduard Bornemann wurde in den Lesestücken geringfügig verändert sowie im Übungsteil und in der Wortkunde um einige Erläuterungen und Hinweise für den Lehrer erweitert, welche, insofern sie sprachwissenschaftlicher Natur sind, ebenso wie in den vorherigen beiden Bänden von Axel Schönberger verantwortet werden. Erneut haben wir das alphabetische Wörterverzeichnis grundlegend überarbeitet und durch ein zweites Verzeichnis nach Wortarten des in Band A3 neu eingeführten Wortschatzes ergänzt; beide Verzeichnisse werden dieses Mal aufgrund ihres Umfangs separat veröffentlicht. Als Begleitgrammatik für den dritten Band und die sich anschließende Lektüre lateinischer Literatur bis zum Abitur ist der in Kürze erscheinende vierte Band, die ausführliche Lateinische Sprachlehre, eigens auf die Bände A1-3 abgestimmt. Der dritte Band schließt den Lehrbuchteil des Lateinischen Unterrichtswerkes ab und ist für den Einsatz im dritten bis vierten Lernjahr (in der Regel also für die Quarta und die erste Hälfte der Untertertia) gedacht.

Das Lateinische Unterrichtswerk lehrt insbesondere die Norm des klassischen Lateins (1. Jahrhundert v. Chr. und Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr.). Wer Texte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts flüssig lesen und verstehen kann – und hierzu wird er durch das Lateinische Unterrichtswerk in seiner Ausgabe A befähigt –, ist ebenso imstande, die Latinität späterer Jahrhunderte gut zu erschließen und sich auch mit relativ geringem Aufwand in altlateinische Texte einzuarbeiten.

Sämtliche lateinischen Sätze der drei Bände der Ausgabe A des Lateinischen Unterrichtswerks wurden von Sydney Smith hinsichtlich ihrer Konstruktion überprüft und sind in ihrem Vorkommen in der Antike belegt; bei einem nicht unbeträchtlichen Teil des Satzmaterials insbesondere des dritten Bandes handelt es sich um antiken Werken im Original oder in leichter Abwandlung entnommene Zitate.

Für die Lektüre und das Verständnis lateinischer Dichtung ist die Kenntnis der Vokalquantitäten, die in allen drei Bänden sorgsam eingeübt werden – in vorliegendem Band werden sie im Unterschied zu den früheren Ausgaben auch in den Lesestücken angegeben –, unerlässlich (1). Freilich haben sich im Laufe der Zeit viele Vokalquantitäten geändert: Aus älterem nisī wurde jüngeres nisi, aus egō ego, aus amō amo, aus ubī ubi, aus utī sowohl uti als auch ut, aus nārrō narro, aus ūndecim undecim, aus quō modō quōmodo usw. Insofern mussten wir uns in vielen Fällen für eine einheitliche Angabe entscheiden und haben dabei versucht, vor allem die für das erste vorchristliche Jahrhundert relevanten Quantitäten, in wenigen Fällen – aus didaktischen Gründen – auch den älteren Sprachstand zu berücksichtigen.

Vielerorts wird heutzutage gefordert, das Lateinische nur noch in Form zusammenhängender Texte zu lehren. Jeder aus der Antike überlieferte Satz, und sei es nur eine kleine Inschrift, ist für sich genommen jedoch bereits ein Text. An kleineren und größeren Texten, die ganz oder weitestgehend der originalen Überlieferung übernommen sind, kann weitaus besser in das antike Latein eingeführt werden als mit solchen Texten, die zwar scheinbar in der Antike spielen, aber letztlich doch vor allem Denken, Fühlen und Wertmaßstäbe heutiger Menschen abbilden und syntaktisch eher dem Stilgefühl moderner Sprachen als der antiken Ausdrucksweise entsprechen. Derartige Konstrukte mögen zwar aus Sicht mancher Erwachsener «kindgerecht» scheinen, sie führen aber nicht zu einem wirklichen Verständnis der mehr als zwei Jahrtausende umspannenden Literatur in lateinischer Sprache. Der Einsatz derartiger Lehrbücher, wie sie seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden und nunmehr den Lateinunterricht dominieren, dürfte wohl in unmittelbarem Zusammenhang damit stehen, dass derzeit über 80 % der Lateinschülerinnen und Lateinschüler in Deutschland vor dem Eintritt in die Oberstufe – kurz nach Erreichen der Lektürephase – das Fach abwählen (2), weil die Kluft zwischen dem tatsächlichem Latein, das ihnen in den Originaltexten begegnet, und dem künstlichen Stil der zuvor eingesetzten Lehrbücher einfach zu groß erscheint.

Es ist Aufgabe des gymnasialen Unterrichts, nicht etwa den Lehrstoff so zu trivialisieren, dass die Schüler statt kundigen Wissens lediglich formale Bescheinigungen erwerben, sondern vielmehr die lernbegierigen und durchaus auch lernfähigen nachwachsenden Schülergenerationen von dem noch geringen Wissensstand, den sie zu Beginn der fünften Klasse haben, dergestalt anzuleiten und zu bilden, dass sie nach Abschluss ihrer Schulzeit befähigt sind, den wissenschaftlichen Anforderungen eines universitären Studiums zu genügen. Viele universitäre Fächer setzen gute Lateinkenntnisse voraus, und dies wird aus inhaltlichen Gründen infolge der mehr als zweitausendjährigen lateinischen Wissenschaftstradition Europas auch in Zukunft so bleiben. Ein schulischer Lateinunterricht, der es in Kauf nähme, die sprachliche Ausbildung zugunsten etwa einer allgemeinen Einführung in antikes Denken und Leben zu vernachlässigen, stellte nicht in Rechnung, dass es für die spätere Studierfähigkeit in erster Linie auf die tatsächliche Sprachbeherrschung und nicht auf das Reden über deutsche Texte zur Antike ankommt. Schulischer Lateinunterricht ist aus Sicht der Universität nur so lange sinnvoll, wie er eine fundierte Beherrschung der lateinischen Sprache vermittelt, und die beste Einführung in die antike Welt besteht nach wie vor in der Lektüre und Interpretation originaler Texte.

Das Lateinische Unterrichtswerk, das über Jahrzehnte entwickelt wurde und bereits viele Schülergenerationen mit der lateinischen Sprache vertraut machte, vermittelt durch seinen didaktisch überlegten Aufbau und die Kombination aus zunehmend originalen Einzelsätzen und zusammenhängenden Lesestücken in seiner Ausgabe A (3) ein solides Fundament für das Verständnis lateinischer Originaltexte. Dabei führt es den Schüler innerhalb eines Lernzeitraums, der in der Regel bei drei bis dreieinhalb Jahren liegen dürfte, von einfachsten syntaktischen Stukturen bis zu komplexen grammatikalischen Phänomenen und läßt ihn auch ahnen, dass es darüber hinaus noch eine weiterführende sprachwissenschaftliche Forschung gibt (4). Viele, die mit der Ausgabe A bereits Latein gelernt haben, erinnern sich dankbar dieser Methode, die nunmehr weiteren Schülergenerationen zur Verfügung gestellt wird.

Die Neuausgabe der Bände A1-A3 verdankt dem kompetenten Lektorat unseres jungen Mitarbeiters Tayeb Adnane (Lessing-Gymnasium in Frankfurt am Main), dem wir an dieser Stelle für seine wertvolle Unterstützung ausdrücklich danken möchten, die Vermeidung nicht weniger Druckfehler, insbesondere bei der Angabe der Vokalquantitäten.

Prof. Dr. Eduard Bornemann, der an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main Didaktik des Lateinischen lehrte und am Lessing-Gymnasium in Frankfurt am Main die Fächer Griechisch, Latein, Geschichte und Leibesübungen unterrichtete, war stets bemüht, den Schülern das Erlernen der lateinischen Sprache auf hohem Niveau zu erleichtern und sie in die Welt der Antike einzuführen. Wir hoffen und wünschen, dass auch die Neuausgabe des dritten Bandes der Ausgabe A seines Lateinischen Unterrichtswerkes diesem Zwecke dienen möge!

Frankfurt am Main, im Mai 2006
Axel Schönberger und Sydney Smith

Anmerkungen:

(1) Dies gilt umso mehr für ein eventuelles späteres Studium der Latinistik, der Vergleichenden Sprachwissenschaft oder der Romanischen Philologie.
(2) Vgl. Friedrich Maier: «Österreichs Lateinunterricht auf Erfolgskurs: ein anregender Blick über den Zaun», in: Forum Classicum 48/4 (2005), S. 251-253, hier S. 252, rechte Spalte.
(3) Es gibt außerdem zwei Kurzfassungen der Bände A 1-3: Ausgabe C in zwei Bänden für Latein als zweite Fremdsprache und Ausgabe B in einem Band für Latein als dritte oder weitere Fremdsprache. Ebenso gibt es eine Kurzfassung der Lateinischen Sprachlehre, der Begleitgrammatik zu den drei Bänden der A-Ausgabe (eine Neuauflage ist als Band A 4 in Vorbereitung), die Kurz gefasste lateinische Sprachlehre, die als Begleitgrammatik der Ausgaben B und C konzipiert ist. Die Ausgabe B wird an vielen Universitäten in den Latinumskursen als Lehrwerk eingesetzt. — Eine Besonderheit des Lateinischen Unterrichtswerkes ist die Art der Vermittlung des Lernvokabulars, das vielleicht auf den ersten Blick groß erscheinen mag, tatsächlich aber aufgrund seiner etymologischen Strukturierung den Lernaufwand für einen lektüreadäquaten Grund- und Aufbauwortschatz auf nur knapp mehr als 1000 semantisch wie etymologisch zusammengehörige Wortgruppen wie memoria, memorāre, memorābilis und memor oder fugāre, fuga, fugere und perfuga reduziert und so den Schülern sowohl das Vokabellernen wie auch die spätere Lektüre wesentlich erleichtert.
(4) Die im Vergleich zu der früheren Ausgabe im Übungs- und Vokabelteil gelegentlich auftretenden Fußnoten mit entsprechenden Erläuterungen werden allein von Axel Schönberger verantwortet.

Inhalt

Leseprobe:

Stück 96

(Wiederhole: singulī 46 B — semel 58, 13 — bis 42 S. Vergleiche auch: quotiēs 55, 10 — postrēmum 71 B)

A
1. patruus Paulō et Iūliō quattuor librōs dōnāvit — quaternōs librōs eīs dōnāvit. 2. Caesar singulīs legiōnibus bīnōs tribūnōs praefēcit. 3. Rōmānīs ingenuīs terna nōmina erant: praenōmen, nōmen gentīlĭcium, cōgnōmen; exemplī grātiā commemorāmus: Gāium Iūlium Caesarem et Mārcum Tullium Cicerōnem. 4. Caesar et Ariovistus dēnōs comitēs ad colloquium addūxērunt. 5. aliī mēnsēs trīcēnōs diēs habent, aliī singulōs et trīcēnōs (vel: trīcēnōs singulōs), Februārius duōdētrīgintā. 6. Augustus legiōnāriīs trēcēnōs nummōs virītim lēgāvit.

7. postquam Minucius, Făbiī magister equitum, errōrem suum intellēxit, rūrsus ūna castra ē bīnīs facta sunt.

8. ter terna sunt novem — quater quaterna sunt sēdecim — quīnquiēs octōna sunt quadrāgintā. 9. Augustus nōmen imperātōris semel atque vīciēs peperit.

10. Alexander exercitūs Persārum ter aciē vīcit: prīmum ad Grānīcum flūmen, iterum apud urbem Issum, tertium apud Arbēla vīcum. 11. Marius septiēs cōnsul fuit; cum septimum cōnsul erat, (dē vītā) dēcessit.

12. ‘quoūsque tandem, Catilīna, abūtēre (= abūtēris) patientiā nostrā!’ 13. tribūnī plēbis senātūs cōnsultum nōn sōlum nōn probāvēre, sed etiam vehementer reprehendēre.

14. cūr mē nōn exspectāstī, Tite? 15. «turpitūdinem fŭgae nunc virtūte dēlēstis, equitēs!» 16. Rōmānī numquam sociōs suōs frūstrā auxilium petīsse glōriātī sunt; itaque, cum querēlās Saguntīnōrum audīssent, lēgātōs in Hispāniam mīsērunt ad rēs sociōrum īnspiciendās.

17. ursus fīcōrum avidus in hortum penetrārat; sed rūsticī lapidibus eum fugārunt. — cōnferte imāginem!

18. legiōnāriī ante pūgnam castra mūniērunt. 19. ubi ē patrōnō quaesierō, quid faciāmus, statim tibi dīcam.

B
Cicerōnis ad Tirōnem lībertum epistula

nōn rārō servī, quī dē dominīs suīs bene meritī erant, manūmissī sunt. hī lībertī, quī dīcēbantur, cum saepe ā dominō prīstinō eiusque famĭliā ut amīcī et propinquī dīligēbantur ac colēbantur tum cīvitātem adipīscēbantur. illius familiāritātis haec epistula exemplum est.

TVLLIVS TĪRŌNĪ SVŌ S.P.D.

māgnae mihi fuēre cūrae et sollicitūdinī tuae litterae: ex animō tē ōrō, nē, priusquam plānē valeās, aut nāvigātiōnī aut viae molestae tē committās. satis tē mātūrē vidēbō, sī plānē sānātum tē vidēbō. medicī tuī cūrātiōnēs ego nōn tantum probō quantum tū; nam scītō mē audīsse iūs tibi dătum esse ab eō, quamquam stomachicus erās!

illud, mī Tīrō, tē rogō, nē ūllī sumptuī parcās ad convalēscendum; iam scrīpsī ad Cŭrium, ut tibi dăret, quodcumque petīssēs. medicō ipsī, putō, aliquid ultrō dărī oportet, quō sit studiōsior. innumerābilia in mē explēstī mūnera et officia domestica, forēnsia, urbāna, prōvinciālia, in rē prīvātā, in rē pūblicā, in studiīs, in litterīs nostrīs; ea omnia superābis atque optimē dē mē merēbēre, sī nunc dē nūlla rē cōgitābis nisi dē valētūdine tuā. persuāsum habētō, mī Tīrō, pariter tē ab omnibus amārī ac mē ipsum et permultōrum māximē interesse tē convalēscere!

valē, mī Tīrō, valē, valē et salvē! Lepta tibi sālūtem dīcit et cēterī omnēs. valē! VII īd. Nov. Leúcade.

S
sē ipsum nōsse difficillimum est.
nōn quī parum habet, sed quī plūs cupit, pauper est.

Stück 97

A
1. (vgl. 77, 10) rūsticī lupum quaerēbant, quī in vīcum suum penetrāvisset. 2. (vgl. 79, 13) vīlicus omnēs servōs, quī crās nōn dīligenter labōrent, sē pūnitūrum dīcit.

3. (vgl. 71, 8) Haeduī rebelliōnem mōlientēs nūntiōs in omnēs partēs mīsērunt, quī cīvitātēs Galliae contrā Rōmānōs sollicitārent. 4. (vgl. 89 B) praemīserat Hannibal complūrēs speculātōrēs, quī, quae in castrīs Rōmānōrum gererentur, cōgnōscerent. 5. (vgl. 89 B) Scīpiō Poenōs cōmiter dīmīsit atque īnsuper equitēs dĕdit, quī eōs prōsequerentur.

6. (Ariovistus glōriātur:) «quae cīvitās tam firma est, quae Germānīs resistere possit? — quae cīvitās tam firma est, quae nōn ā Germānīs superārī possit?» 7. Cicerō familiārī cuidam cōnsulātum petentī scrīpsit: «tālem tē esse oportet, quī tē senātuī optimātibusque prīncipem praebeās.» 8. Cicerō cōnsul in senātū: «habētis», inquit, «eum (= tālem) cōnsulem, quī dēcrēta vestra exsequī nōn dubitet. — habētis cōnsulem, quī dēcrēta vestra exsequī nōn dubitet.» 9. Helvētiīs duo itĭnera erant, quibus domō exīre possent. 10. post proelium equestre māgna secūta est tempestās, quae Rōmānōs castrīs continēret. 11. nēmō est, quī nōn hoc tibi crīminī det. 12. omnibus frūctibus āmissīs domī nihil erat, quō Helvētiī famem tolerārent. 13. sunt quīdam inter condiscipulōs, quī haec subtīlius possint explicāre. 14. erant (vel: nōn deerant), quī cēnsērent in castra redeundum esse. 15. inventī (vel: repertī) sunt, quī mihi libenter adessent. 16. «quid est, quod minus deceat quam contrā senātum, contrā cīvēs, contrā patriam exercitum dūcere?»

17. Alexander, cum ad Achillis tumulum adstitisset: «ō fortūnāte», inquit, «adulēscēns, quī tuae virtūtis Homērum praecōnem invēneris.» 18. senātōrēs, quī Hanníbale vīvō numquam sē sine īnsidiīs futūrōs exīstimārent, lēgātōs in Bīthyniam mīsērunt, quī ā Prūsiā rēge peterent, ut ille sibi dederētur. 19. ad tē vēnīre nōn possum, quippe quī aeger sim.

20. (vgl. 77 B) tacuit rēx, quī nātūrā īrācundissimus esset. 21. (vgl. 90 B) contiō ūniversa, quae convēnisset sententiae dē Scīpiōne ferendae causā, tribūnum accūsantem relīquit et illum ad templum Iovis comitāta est.

B
1. dē ambitiōne Caesaris

Caesar cum quaestor in Hispāniā ulteriōre esset, Gādibus aliquandō prope Herculis templum stătuā Alexandrī Māgnī animadversā ingemuit atque coepit lacrimāre. amīcīs mīrantibus: «vehementer mē pudet», inquit, «quod nihildum ā mē memorābile āctum est eā aetāte, quā Alexander iam orbem terrārum subēgerit.» — quantō fuisset studiō imperandī laudisque cupiditāte, item appāruit, cum per Alpēs in Hispāniam proficīscēns in parvulō quōdam vīcō pernoctābat. iocō enim ā comitibus interrogātus, num illc quŏque dē prīncipātū et magistrātibus contenderētur, sēriō respondit mālle sēsē ibi prīmum esse quam Rōmae secundum.

2. dē fortūnā Caesaris

bellō cīvīlī Caesar nōn satis nāvium habēbat, quibus omnēs suās legiōnēs Brundsiō Dyrrhachium trānsportāre posset. itaque māximam exercitūs partem in Italiā relīquit, quae sibi prīmō quōque tempore subsequerētur. id cum tardius fieret, sōlus nāviculā clam cōnscēnsā mare Hadriāticum trānsīre legiōnēsque arcessere cōgītāvit. sed nautae in altō tempestāte exortā undīs ita obrūtī sunt, ut gubernātor nāvem rūrsus ad lītus agī iubēret. tum Caesar, quis esset, eī apĕruit dīcēns: «nōlī dēsperāre! Caesarem enim vehis Caesarisque fortūnam.»

Übung zu Stück 68

a) Das Gerundīvum ist ein passivisches Verbaladjektiv. Als Prädikatsnomen steht es in Verbindung mit esse und hat dann die Bedeutung der Notwendigkeit; bei der Übersetzung verwenden wir deshalb das Hilfsverb «müssen», verneint «dürfen».

Die handelnde Person steht im Dativ (datīvus auctōris). Hängt von einem Gerundivum aber schon ein Dativobjekt ab, so wird die handelnde Person durch Ablativ + ab ausgedrückt.

Mache dir diese Regeln noch einmal an den folgenden Beispielen klar und unterscheide dabei auch den persönlichen und unpersönlichen Gebrauch der Gerundivkonstruktion:

măla nōn tacenda sunt (vgl. L 40,6). – nōn tacendum est. (auch intransitiv)
măla vōbīs nōn tacenda sunt. – vōbīs nōn tacendum est. (auch intransitiv)
parentibus măla ā vōbīs nōn tacenda sunt.

b) Präge dir den Unterschied zwischen Gerundium und Gerundīvum ein:

Das Gerundium ist eine substantivische Verbalform auf -ī, -ō, -um.
Es hat nur drei Ausgänge, da Dativ und Ablativ gleich lauten.

Das Gerundīvum ist ein Adjektiv auf -us, -a, -um.
Es hat bei transitiven Verben sämtliche Ausgänge der o/a-Deklination;
bei intransitiven Verben hat es nur den Ausgang -um (Neutrum).

Bestimme die folgenden Formen und übersetze sie, soweit sie außerhalb eines Satzes verständlich sind: amandīs, veniendī, amantis, ēmendōs, incendendōrum, exercendō (3), mūniendum, iaciendī, iacientī, dēlectandā, dēlectanda (5), iacendō, cōnspiciendae, petendam, dēfendī, dēfendendī, docendīs, dēscribendās, expūgnandum, ad dormiendum, legendārum, mittendus, venientī, relinquendae.

c) Bisweilen empfiehlt es sich, das Gerundivum durch ein unpersönlich gebrauchtes «gelten» zu übersetzen: nunc est properandum = Jetzt gilt es zu eilen. Übersetze dementsprechend: tum properandum erat. imprīmīs medicus cōnsulendus est. nōn dēlīberandum, sed agendum est. hae iniūriae patienter tolerandae erant.

d) Wenn wir den Satz «hoc perīculum vītandum est» durch «Diese Gefahr ist zu vermeiden» übersetzen, so dürfen wir nicht vergessen, dass die Verbindung von «zu» mit dem Infinitiv nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Möglichkeit ausdrückt. Steht «Diese Gefahr ist zu vermeiden» im Sinne von «Diese Gefahr kann vermieden werden», so heißt die lateinische Übertragung ‘hoc perīculum vītārī potest’. Beachte den Doppelsinn in folgenden Beispielen und übersetze sie demgemäß zweifach: 1. Die Stadt ist zu erobern. 2. Sein Werk ist nicht zu tadeln.

e) Übersetze: 1. Diesen unbedeutenden Irrtum muss man entschuldigen — wird man entschuldigen müssen. 2. Jetzt darf man nicht länger beratschlagen, sondern man muss handeln. 3. «Warum musst du heute zu Hause bleiben?» — «Ich muss meinen kranken Bruder pflegen. Auch morgen habe ich keine Zeit (Tempus im Lateinischen!); denn ich werde mit dem Vater im Garten arbeiten müssen.» 4. Jener Mensch ist nicht zuverlässig. Ihr dürft ihm nicht alles sagen. 5. Als sich die Gallier dem Lager näherten (Modus!), hätten die Bundesgenossen herbeigeholt werden müssen (= mussten herbeigeholt werden).

f) Sammle die in den Vokabeln zu L 61 bis 68 aufgeführten Verben der konsonantischen Konjugation und ordne sie nach der Bildung ihres Perfekts Aktiv! Vgl. Band A2, S. 172, § 27,7!


Anmerkungen

Die großenteils aus der Ausgabe A zusammengekürzte Ausgabe B des “Lateinischen Unterrichtswerkes” wird an vielen Universitäten in den Latinumskursen als Lehrwerk eingesetzt; demgegenüber vermittelt die vollständige Ausgabe A solide, grundständige Lateinkenntnisse, wie sie für ein Studium der Romanischen Philologie nach wie vor sinnvoll sind (vollständig überarbeitete Neuauflage).

Ersteller des Eintrags
Axel Schönberger
Erstellungsdatum
Donnerstag, 14. Januar 2010, 16:27 Uhr
Letzte Änderung
Donnerstag, 14. Januar 2010, 16:27 Uhr