Verrat in den eigenen Reihen? Hernán Valdés' literarische Produktion als Kritik an der chilenischen Linken im Kalten Krieg (Monographie)


Allgemeine Angaben

Autor(en)

Katharina Scheffner

Verlag
University of Bamberg Press
Stadt
Bamberg
Stadt der Hochschule
Bamberg
Publikationsdatum
2020
Abgabedatum
Juli 2018
Reihe
Romanische Literaturen und Kulturen 11
Weiterführender Link
https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/47021
ISBN
978-3-56309-706-6 ( im KVK suchen )
Thematik nach Sprachen
Spanisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft
Schlagwörter
Aufarbeitung, Putsch, Testimonialtext, 1973, Diktatur, Chile

Betreuer

Enrique Rodrigues-Moura Kai Nonnenmacher


Exposé

Klappentext:
Seit Oktober 2019 gehen die Menschen in Chile wieder auf die Straße, um gegen die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage zu demonstrieren. Es sind die größten Demonstrationen seit dem Ende der chilenischen Diktatur (1973–1990). Die Demonstrationen sind auch eine der Nachwirkungen der Diktatur, die tiefe Spuren in der ideologisch und ökonomisch gespaltenen Gesellschaft hinterlassen hat.
Der chilenische Autor Hernán Valdés (geb. 1934) wurde zu Beginn der Diktatur gefangen genommen und gefoltert: Diese Erfahrung schrieb er in seinem Testimonialtext Tejas Verdes (1974) nieder und wurde quasi über Nacht weltberühmt, sein Text zum Beweisstück für die grausamen Verbrechen des chilenischen Militärs. Der nachfolgende Roman A partir del fin (1981) behandelt autofiktional die chilenische Gesellschaft vor und nach dem Putsch, kritisiert aber auch den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende und sein Regierungsbündnis Unidad Popular (1970–1973).
In dem vorliegenden Band werden diese Veröffentlichungen Valdésʼ im Wechselspiel von literarischer und empirischer Welt analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt. Im Rahmen des Aufarbeitungsprozesses widmet sich diese Forschung der Rezeptionsgeschichte von Tejas Verdes und A partir del fin sowie ihren gesellschaftlichen Implikationen. Der frühere Text machte den Autor in der Opposition zu Pinochet berühmt, der zweite dagegen, der eine nuancierte Kritik am eigenen politischen Lager darstellt, erschwert weiterhin die Wahrnehmung und Diskussion des Romans in einer ideologisch tief gespaltenen Gesellschaft. In dieser Studie wird der Zusammenhang von Literatur, Rezeptionsgeschichte und Kanonisierung exemplarisch untersucht sowie die Verbindung von Literatur und gesellschaftlichen Aufarbeitungsprozessen dargestellt.

Inhalt

1. Hernán Valdés und der Kalte Krieg in Chile 7
2. Forschungsstand 25
2.1. Erinnerungsdiskurs in Chile 25
2.2. Erinnerung in der Literatur 49
2.3. Autobiografisches und autofiktionales Schreiben 61
2.4. Kanonisierung chilenischer Literatur 65
3. Chilenische Literatur und Kultur während der Diktatur – ein Ausschnitt 75
4. Tejas Verdes 85
4.1. Der chilenische testimonio 85
4.2. Forschungsstand und Rezeptionsgeschichte 94
4.3. Vom Tagebuch zum »kollektiven Text« 108
4.3.1. Literarisierter Lageralltag als Zeugnis der Diktatur 108
4.3.2. Die spanischsprachigen Ausgaben 111
4.3.3. Die Paratexte 131
4.3.4. Die Paratexte der deutschen Ausgaben – die Politisierung des Textes 152
4.4. Resümee: Tejas Verdes als kollektiver Text 188
5. A partir del fin 191
5.1. Erzählperspektive nach Wolf Schmid 199
5.2. Zwischen Fiktion und Autobiografie: A partir del fin als Autofiktion 205
5.3. Sprachliche Markierung von Schichtzugehörigkeit 211
5.4. »Reunión de los intelectuales« – Anspruch und Wirken der Intellektuellen während der Regierung Allendes 217
5.5. »La gata« – soziale Beziehungen in der Diktatur 247
5.6. »Interpelación al Presidente« – Kritik an Salvador Allende und der UP 270
5.7. Beschreibung des Alltäglichen 294
5.7.1. Das Lateinamerikabild des Protagonisten und die Stadt-Land-Dichotomie 295
5.7.2. Alltag vor und nach dem Putsch 306
5.8. Stimme aus dem Exil und trotzdem kein Exilroman 312
5.9. Fragmentierung der Erinnerung 318
5.10. Extraliterarische Aspekte 329
5.10.1. Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte bis in die 1980er Jahre 330
5.10.2. Rezeptionsgeschichte in Deutschland (1984) 336
5.10.3. Exkurs: Ansilania oder Die Geschichte darunter (1986) 346
5.10.4. Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte in Chile (2003, 2013) 348
5.11. Resümee: A partir del fin als Randerscheinung des chilenischen kulturellen Gedächtnisses 366
6. Schlussbetrachtung und Ausblick 373
7. Abkürzungsverzeichnis 381
8. Danksagung 383
9. Literaturverzeichnis 385
9.1. Primärliteratur: Texte von Hernán Valdés 385
9.2. Sekundärliteratur 387
9.3. Quellen 429
9.3.1. Forschungsinstitut Brenner-Archiv 429
9.3.2. Biblioteca Nacional, Santiago de Chile 429
9.3.3. Mainzer Verlagsarchiv, Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien, Abteilung Buchwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz 431
9.3.4. Persönliches Archiv von Hernán Valdés und Ulrike Michael-Valdés in Kassel 432
9.4. Interviews 435
10. Personen- und Sachregister 436
11. Anhang: Kritischer Apparat von A partir del fin von Hernán Valdés von 1981 und 2003 438


Anmerkungen

Ursprünglich unter dem Titel “Verrat in den eigenen Reihen? Hernán Valdés’ literarische Produktion als eine (unmögliche) differenzierte Kritik an der chilenischen Linken im Kalten Krieg” als Dissertation eingereicht

Ersteller des Eintrags
Katharina Scheffner
Erstellungsdatum
Sonntag, 26. April 2020, 10:38 Uhr
Letzte Änderung
Sonntag, 26. April 2020, 22:36 Uhr