Übersetzungsdimensionen des französischen Enzyklopädismus im Aufklärungszeitalter (1680-1800) (Institutionalisiertes Forschungsprojekt)

Transkultureller Wissenstransfer, Mittlerfiguren, interkulturelle Aneignungsprozesse


Allgemeine Angaben

Projektbeginn
Montag, 01. Oktober 2018
Projektende
Mittwoch, 30. September 2020
Status
abgeschlossen
Weiterführender Link
https://www.spp2130.de/index.php/enzyklopaedismus/
Thematik nach Sprachen
Französisch
Disziplin(en)
Medien-/Kulturwissenschaft
Schlagwörter
Medien- und Buchgeschichte, Wissenstransfer, Kulturtransfer, Übersetzung, Enzyklopädismus, Frankreich, 18. Jahrhundert

Aktiv beteiligte Person(en)

(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)

Susanne GreilichHans-Jürgen Lüsebrink


Exposé

Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Enzyklopädie als Leitmedium des 18. Jahrhunderts einerseits und seinen transnationalen Entstehungszusammenhängen andererseits untersucht das Forschungsvorhaben die Rolle, die Übersetzungsprozessen im Kontext des Enzyklopädismus und damit der Herausbildung eines grenzüberschreitenden Wissens- und Kommunikationsraums im Zeitalter der Aufklärung zukam. Dabei gelangen mit Übersetzern und Herausgebern jene Akteure in den Blick, die mehr waren als bloße Redakteure, die Wissensbestände von einer Sprache in eine andere übertrugen. Vielmehr können Übersetzer und Herausgeber adaptierter Fassungen ursprünglich vielfach französischer Enzyklopädien als kulturelle Mittler begriffen werden, die bereits vorhandenes Wissen aus einer Ausgangs- in eine andere Zielkultur transferierten, wobei neben sprachlichen auch und insbesondere semantisch-inhaltliche Adaptationsprozesse wirksam wurden, mit denen die neue Publikation an den differenten kulturellen Horizont des Publikums angepasst wurde.
In den Para- bzw. Peritexten (Vorworten, Verlagsprospekten, etc.) reflektieren Übersetzer und Herausgeber die skizzierte Mittlerposition ebenso wie sie Auskunft über Zielsetzung und Erfahrungen im Kontext kultureller Adaptationsprozesse geben. Die dort evozierten Nationalisierungen enzyklopädischer Werke als Resultat kultureller Adaptation eröffnen zugleich neue Perspektiven auf das Verhältnis der als die Gattung der Enzyklopädie prägend erachteten, französischen Modelle und die von ihnen ausgehenden, anderssprachlichen „Nachfolger“. Spezifischer formuliert: der Blick auf die kulturelle Übersetzungsleistung der „Nachfolger“ lässt die Autonomisierung der Gattung der Enzyklopädie in anderen, von der Aufklärungsforschung mitunter als „randständig“ wahrgenommenen Ländern und Regionen (wie Spanien oder Italien) hervortreten – eine Autonomisierung, an deren Ende mitunter die Ausbildung von ganz eigenen Enzyklopädietraditionen stand. Schließlich treten im Kontext der Genese von Universalenzyklopädien wie der Encyclopédie jene Übersetzungsprozesse in den Fokus, bei denen für die Redaktion einzelner Lemmata auf Texte auch anderer Gattungen (wie Reiseberichten, Historiographien, etc.) zurückgegriffen wurde, welche ihrerseits zunächst aus anderen Sprachen (insbesondere dem Englischen, Deutschen und Spanischen) ins Französische übersetzt werden mussten bzw. worden waren. Wie die Ende Oktober 2017 erschienene, kommentierte elektronische Ausgabe der Encylopédie Diderots und D’Alemberts aufzeigt (http://enccre.academie-sciences.fr), basiert ein nicht unerheblicher Teil der Lemmata auf Übersetzungen von Werken und Dokumenten aus anderen Sprachen. Im Falle der Einträge zu fremden Ländern und Kulturräumen gerieten die Verfasser der Encyclopédie-Artikel so mitunter in die Rolle dreifacher Übersetzer: in die des Sprachübersetzers, des Überträgers von Wissensbeständen aus einer anderen Gattung bzw. eines anderen Sinnsystems in das der französischen Enzyklopädie sowie in die eines „cultural brokers“, der zwischen der im Artikel vorgestellten Fremdkultur und jener des heimischen Lesepublikums eine Brücke schlug.
Ausgehend von den skizzierten Überlegungen stehen vier Perspektiven im Zentrum des Projekts: 1. die systematische Erfassung sämtlicher sprachlicher Übersetzungen enzyklopädischer Texte des Aufklärungszeitalters (1680-1800) einschließlich Angaben zu Ursprungsfassungen, Übersetzern, Herausgebern und erläuternden Vorworten; 2. die beispielhafte Analyse der in einzelnen Übersetzungsvorhaben aus dem Kontext des französischen Enzyklopädismus sich vollziehenden kulturellen Adaptations- und Autonomisierungsprozesse; 3. das Selbstverständnis und die Rolle von Übersetzern als zentralen interkulturellen Akteuren für die Vermittlung enzyklopädischen Wissens; sowie 4. die Untersuchung der Rolle, die Übersetzungen für die Redaktion einzelner, länderspezifischer Lemmata des bedeutendsten französischen Enzyklopädieprojekts der Aufklärung, der Encyclopédie Diderots und D’Alemberts, zukam.


Verbundene Projekte / Publikationen

Anmerkungen

Im DFG-Schwerpunktprogramm 2130: “Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit”

Ersteller des Eintrags
Susanne Greilich
Erstellungsdatum
Donnerstag, 13. August 2020, 18:11 Uhr
Letzte Änderung
Donnerstag, 13. August 2020, 18:18 Uhr