Tagung

„‚È di mestiere sapere quale suono rendono queste lettere.‘ –
Musik und Literatur zwischen Septem Artes liberales und Humanismus in Italien“

Mo, 25.02.2019-Mi, 27.02.2019

Ruhr-Universität Bochum, Romanisches Seminar, GB 7/60

Die Überlegungen der Tagung gehen von der Beobachtung aus, dass sich in Pietro Bembos Prose della volgar lingua (1525) eine erhöhte „Sensibilisierung für das Verhältnis von Musik und Dichtung“ (Sabine Meine) manifestiert. Aufgrund von Eigenschaften wie Rhythmus (numero), Sprachklang (suono) und ihrer harmonischen Anordnung (concento, armonia) erachtet Bembo das toskanische volgare für literaturwürdig. Die hier zum Ausdruck kommende enge Verklammerung von Musik und Dichtung zeugt von einem veränderten Verhältnis beider Disziplinen zueinander, da die Musik innerhalb der Septem Artes liberales den arithmetischen Fächern des Quadriviums, die Dichtung hingegen als unselbständiger Teil der Rhetorik dem Trivium zugeordnet war. Die gegenseitige Durchdringung von Musik und Sprache bildet eine Tiefenstruktur aus, die als Resultat eines umfassenden epistemologischen Wandels zu begreifen ist, den man als Rhetorisierung wesentlicher Felder sozialen Lebens beschreiben kann. Die Rhetorisierung der Musik stellt im Cinquecento die Prämisse für eine näher zu fassende Musikalisierung der Dichtung sowie für eine Literarisierung der Musik dar.

Ziel der Tagung ist es, das Verhältnis von profaner Musik und Literatur in Italien in der Frühen Neuzeit, vornehmlich im Cinque- und frühen Seicento, anhand von paradigmatischen Analysen konkreter musikalischer, literarischer und musiko-literarischer Einzelphänomene zu untersuchen. Insgesamt nimmt die Tagung einen Prozess in den Blick, den man als den ‚langen Weg zur Oper’ bezeichnen könnte, und verfolgt dessen Nachwirkungen in der musikalischen und literarischen Barockkultur.

Programm

Mo, 25.02.2019

bis 14:00h Anreise

14:00-14:30
Eva-Verena Siebenborn (Bochum): Begrüßung

Sektion I: Rhetorisierung der Musik

Moderation: David Nelting (Bochum)

14:30-15:30
Sabine Meine (Köln): Die Frottola als Spielfeld für die questione della lingua. Humanismus und Musik an den Höfen von Isabella d’Este und Lucrezia Borgia in Mantua und Ferrara um 1500

15:30-16:30
Eva-Verena Siebenborn (Bochum): Die Legitimierung säkularer musica instrumentalis im höfischen Sozialraum um 1500

16:30-17:00 Pause

17:00-18:00
Michael Meyer (Zürich): „Quanto sia necessario in Numero delle cose?“ (Gioseffo Zarlino): Zum Verhältnis von Zahlhaftigkeit und Sprache in der Musik des 16. Jahrhunderts

ab 19:00 Gemeinsames Abendessen im Livingroom, Bochum

Di, 26.02.2019

Sektion II: Literarisierung der Musik

Moderation: Eva-Verena Siebenborn (Bochum)

09:30-10:30
Manuel Baumbach (Bochum): Der Wandel der Musik in eine poetische Kunst: Die Syrinx im Corpus Theocriteum

10:30-11:30
Susanne Friede (Klagenfurt): „Invaghiti delle lor voci“. Zum Verhältnis von Musik, lyrischen Texten und Urteilsfindung in Pietro Bembos Asolani

11:30-12:00 Pause

12:00-13:00
Jörn Steigerwald (Paderborn): Himmlische Klänge und Zaubergesänge in Torquato Tassos Gerusalemme liberata

13:00-14:30 Gemeinsames Mittagessen im Beckmannshof der RUB

Sektion III: Spannungsfelder zwischen Musik und Literatur

Moderation: Jörn Steigerwald (Paderborn)

14:30-15:30
Marc Föcking (Hamburg): Melisch versus epigrammatisch? Anmerkungen zum Madrigal des Secondo Cinquecento

15:30-16:30
Florian Mehltretter (München): Mimesis versus Rhetorik im Umkreis der Florentiner Camerata. Theoretische Bemerkungen zu A. Segni, G. Mei und V. Galilei

16:30-17:00 Pause

17:00-18:00
David Nelting (Bochum): „…di doppia novità composta”. Überlegungen zu Orazio Vecchis comedia harmonica L’Amfiparnaso (1594)

ab 19:00 Gemeinsames Abendessen im Livingroom, Bochum

Mi, 27.02.2019

Sektion IV: Mediale Kombinationen von Musik und Literatur

Moderation: Sabine Meine (Köln)

09:00-10:00
Joseph Imorde (Siegen): Zur Ikonologisierung von Musik. Die Rappresentazione di Anima et di Corpo (Cavalieri)

10:00-11:00
Monika Woitas (Bochum): Sprechende Instrumente und singende Körper – Überlegungen zu Monteverdis musiktheatralen Experimenten jenseits der Oper

11:00-11:30 Pause

11:30-12:30
Oliver Huck (Hamburg): Parallelvertonungen von Marinos Werken am Beispiel der Numeri amorosi

12:30-13:00 Abschlussdiskussion

13:00-14:00 Gemeinsames Mittagessen im Beckmannshof an der RUB
ab 14:00 Heimreise

Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung und das Romanische Seminar der RU Bochum

Beitrag von: Eva-Verena Siebenborn

Redaktion: Christoph Behrens