Frist: 2020-06-15

Kirsten von Hagen, Marina O. Hertrampf, Hanna Nohe

An der Schnittstelle der Welten: Französischsprachige Erzählungen von migrierenden Frauen im 21. Jahrhundert

Migration sorgt aktuell rund um den Globus für hitzige Debatten. Dabei fokussieren sich die Diskurse in Politik, Presse und Medien insbesondere auf männliche Migranten. Tatsächlich wandern indes fast genauso viele Frauen wie Männer (vgl. Hillmann 2016: 22). Diese Unterrepräsentation zum Ausgangspunkt nehmend, möchte unsere Sektion aktuelle frankophone Narrative – fiktionalen und faktualen Texte, aber auch Filme des 21. Jahrhunderts – von und über Migrantinnen in den Blick nehmen.
Migration an sich wird dabei als mehr oder minder erzwungener Ortswechsel gefasst, der auf längere Sicht angelegt ist, „weitreichende Konsequenzen für die Lebensverläufe der Wandernden“ (vgl. Oltmer 2016: 9) hat und politische, geopolitische, ethnische und ökonomische Gründe ebenso umfasst wie Erfahrungen von Flucht. Binnenmigration innerhalb eines Landes hingegen soll bei unserer Fokussierung ausgeschlossen werden, da sie andere Aspekte wie bspw. Stadt und Land sowie Armut in den Vordergrund rücken lässt. Migration und Gender sollen sowohl intratextuell – durch zentrale Figuren – als auch extratextuell durch die Biografien der Autorinnen gefasst werden. Auf diese Weise ist die Authentizität von Wahrnehmung und Form gewährleistet (vgl. Mathis-Moser/Mertz-Baumgartner 2014: 46ff.).
Grundsätzlich soll es weder um terminologische Diskussionen um den Begriff der Migrationsliteratur gehen noch um Ansätze der écriture féminine. Vielmehr soll der Frage der Migrationserfahrungen von Frauen aus raumtheoretischen Zugängen heraus nachgegangen werden. Es geht folglich darum auszuloten, welche migrationsbedingten Räume Frauen erfahren und wie diese literarisch oder filmisch inszeniert werden. Ferner ist zu fragen, ob sich in Narrativen von und über Migrantinnen besondere Räume ausmachen lassen und ob es spezifisch weibliche Raumerfahrungen gibt. Zentrale Themen werden bei dieser Fokussierung Kulturkontakt, Kommunikation und Identität sein.
Folgende Fragen könnten u.a. fokussiert werden:
• Um welche Räume handelt es sich hierbei und wie werden sie von den migrierenden weiblichen Subjekten selbst wahrgenommen?
• Über welche Entscheidungswege gelangen die Frauen in den Narrativen zum Entschluss, ihr Heimatland zu verlassen?
• Inwiefern kreuzen sich die Raumerfahrungen der Herkunfts- und der Ankunftsgesellschaft in der Wahrnehmung der Frauen?
• Anhand welcher narrativer und ästhetischer Verfahren werden sie literarisch dargestellt?
• Wie drückt sich in einer durch postkoloniale Verhältnisse geprägten globalisierten Welt die agency dieser Subjekte in Bezug auf die Raumerfahrungen aus?

Literaturverzeichnis
Hillmann, Felicitas (2016), Migration. Eine Einführung aus sozialgeographischer Perspektive, Stuttgart, Franz Steiner.
Mathis-Moser, Ursula/Mertz-Baumgartner, Birgit (2014), “Littérature migrante ou littérature de la migrance? À propos d’une terminologie controversée”, in: Diogène. Revue internationale des sciences humaines 246-247, 46-61.
Oltmer, Jochen (2016), Globale Migration. Geschichte und Gegenwart, München, C. H. Beck.

Beitragsvorschläge (ca. 300 Wörter) senden Sie bitte zusammen mit einer kurzen Biobibliographie bis spätestens 15. Juni 2020 an Marina Ortrud Hertrampf (marina.hertrampf@ur.de).
Beitragssprachen sind Deutsch und Französisch.
Die Entscheidung über Annahme des Beitragsvorschlags erfolgt bis Ende Juni 2020.
Die fertigen Beiträge (ca. 45.000 bis 55.000 Zeichen mit Leerzeichen, Fußnoten und Bibliographie inbegriffen) werden bis spätestens 30. November 2020 erbeten.