In unendlicher Traurigkeit nehmen wir Abschied von unseren lieben Kollegin Mercedes Peralta Sanhueza, die uns vollkommen unerwartet am 25. September 2020 verließ.

Mercedes Peralta war eine mutige und authentische Frau, die keine Angst davor hatte, so zu sein, wie sie war und lautstark das zu sagen, was andere nur zu denken wagten. Ihre Offenheit und ihr Lachen machten unser Seminar lebendiger.

Mercedes Peralta wurde am 19. September 1961 in Buenos Aires geboren. Die Frage, wie Fremdsprachen am besten gelernt und gelehrt werden, beschäftigte sie bereits in ihrer Schulzeit – als sie im Sprachlabor einer katholischen Privatschule mit Dias und Strukturmusterübungen auf Schalplatte Französisch lernte. Ihre erste Leidenschaft im Studium galt aber zunächst der Ethnologie – insbesondere der Archäoanthropologie Mittel- und Südamerikas.

Ihre rebellische Natur brachte sie schnell ins Visier der Polizei unter der Militärdiktatur. Um einer drohenden Verhaftung zu entkommen, flüchtete sie nach Venezuela, wo bereits ihr Vater im politischen Exil lebte. In Venezuela lernte sie eine junge deutsche Touristin kennen, die auf Tour durch Südamerika war. Anita wurde zur Liebe ihres Lebens. Mit ihr zog sie nach Deutschland nachdem sie ihr Studium der Kulturanthropologie an der Universität Buenos Aires erfolgreich beendet hatte. In Deutschland widmete sich Mercedes Peralta der Lehre des Spanischen. Sie absolvierte 2004 ein Master-Studium in Didaktik des Spanischen als Fremdsprache an der Universität Barcelona.

An der Universität Würzburg hat sie viele Jahre lang Spanisch als Fremdsprache unterrichtet. Als sie sich an unserem Seminar beworben hat, war die Entscheidung für sie schnell getroffen. Bei ihrer Lehrprobe hat sie nicht nur die Studierenden, sondern auch die Auswahlkommission mit erhellenden Einsichten und humorvollen Beispielen überrascht. Sie hat von Anbeginn an keinen Zweifel daran gelassen, dass sie nicht nur eine hervorragende Sprachenlehrerin war, sondern auch eine hervorragende Lehrerin für zukünftige Spanischlehrerinnen und -lehrer.

Die damals schmal besetzte Fachdidaktik hat sie mit Liebe zum Detail und unerschöpflicher Gesprächsbereitschaft mit aufgebaut. Was die Göttinger Didaktik der romanischen Sprachen heute ist, ist auch ihr Verdienst und wird weiterhin unverkennbar ihre Handschrift tragen. Vor allem die Praktika lagen ihr am Herzen – in der Lehre und auch als Forschungsinteresse. Sie hat viele Generationen angehender Spanischlehrerinnen und -lehrer unseres Seminars an den Schulen besucht und beraten. Dabei hat sie nicht auf die Uhr geschaut und viele Stunden mit Gesprächen und Analysen verbracht. Sie war ihren Studierenden offen gegenüber, manchmal unerbittlich, aber immer motivierend und unendlich zugeneigt.

Viele von ihren Studierenden sind heute Lehrerinnen und Lehrer. Zwei von ihnen sind Kolleginnen an unserem Seminar geworden, das macht uns besonders stolz und so bleibt Mercedes Peraltas Wirken lebendig.

Als ihre Frau schwer erkrankte, kämpfte sie unermüdlich an ihrer Seite. Nach Anitas Genesung hatte sich Mercedes Peralta nichts sehnlicher gewünscht als mit Ihr wieder das Meer zu sehen. Mercedes Peralta verabschiedete sich von der Bühne des Lebens an der Küste der Insel Naxos. Ihr letztes Bild war ein Sonnenuntergang.

Mercedes, wir werden Dich unendlich vermissen.

Dimitri Almeida und Birgit Schädlich
im Namen aller Mitglieder des Seminars für Romanische Philologie der Universität Göttingen

Damit alle auch in Zeiten von Corona Abschied nehmen können, wurde eine Kondolenzseite eingerichtet unter https://www.uni-goettingen.de/de/566383.html

Beitrag von: Dimitri Almeida

Redaktion: Christoph Behrens