Fred Moten ist darum ein im höchsten Maß außergewöhnlicher Leser Adornos, als er ihm bis in die letzten Winkelchen der Gedankenwendungen hinein folgt, um dann meist zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen zu kommen. Diese tiefe, ja abgründige Verbundenheit ist wohl der geteilten Leidenschaft für die Materialität des Sounds – in allen Künsten, aber auch Alltagspraktiken – geschuldet, auch wenn Moten immer vom Jazz her denkt und Adorno gegen ihn. So überspitzt und allgemein gesagt, dass es schon fast wieder unwahr wird, könnte man zur ersten Charakterisierung des Verhältnisses zwischen Moten und Adorno festhalten, dass Moten im Angesicht und vollen Bewusstsein ubiquitärer Unfreiheit und Ungleichheit ein affirmativer Denker des Widerstands wird, und Adorno ein negativer Theoretiker des Standhaltens geblieben ist. Das zeigt sich in ihrem Verhältnis zur Dialektik und in ihren politischen Theorien der Subjektivierung nicht weniger als in ihren Ästhetiken, von denen her die Abgründe zwischen den beiden wohl am offensichtlichsten werden.

Mittwoch, 20.01.2021, 19 Uhr.
Die Veranstaltung ist öffentlich und die Zugangsdaten finden Sie auf dem angegebenen Link.

Beitrag von: Pablo Valdivia Orozco

Redaktion: Christoph Behrens