Stadt: Berlin

Frist: 2019-03-31

Beginn: 2019-09-05

Ende: 2019-09-06

Gefördert von der FONTE-Stiftung
Organisatorinnen: Prof. Dr. Renate Kroll und PD Dr. Marina Ortrud M. Hertrampf

Während sich in Italien und Frankreich bereits ab dem 16. Jahrhundert ausgeprägte weibliche Salonkulturen entwickelt hatten, die sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einflussreichen Institutionen des literarischen und kulturellen Austauschs herausbildeten, blieben schreibende Frauen in Spanien bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts noch eher die Ausnahme. Erst infolge der Heiligsprechung von Teresa von Ávila (1622) kam es im 17. Jahrhundert zu einer kurzen Blüte weiblichen Schreibens, das sich von rein erbaulicher Literatur emanzipierte und als profane Literatur aus weiblicher Perspektive selbstbewusst auftrat (etwa bei María de Zayas). Bereits an der Jahrhundertschwelle war weibliches Schreiben in Spanien allerdings wieder fast vollständig religiös geprägt und blieb weitgehend auf kirchliche Kreise beschränkt. Ganz anders in Italien und Frankreich, wo weibliches Schreiben profanes Schreiben war und im Zuge der aufklärerischen Diskussionen um das Verhältnis der Geschlechter an Selbstbewusstsein gewann.

Obwohl die Zahl von Autorinnen in der Romania, deren Werke zu ihren Lebzeiten gedruckt und erfolgreich rezipiert wurden, im 17. und 18. Jahrhundert in bis dato beispielloser Weise anstieg, sind heute nur auffallend wenige davon im kollektiven Kulturgedächtnis präsent. Dies ist mitunter der Tatsache geschuldet, dass sich in den Kanones von Schulen und Universitäten in und außerhalb der Romania bis heute kaum Texte romanischer Autorinnen des 17. und 18. Jahrhunderts finden, blickt man auf die Kanones der so genannten Weltliteratur, so sieht es noch schlechter aus – zu Unrecht, so die Überzeugung der Organisatorinnen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, mehr Licht in die kaum gelesenen Kapitel weiblicher Literaturgeschichte der Romania zu bringen.

Ein Großteil romanischer Autorinnen des 17. und 18. Jahrhunderts wurde nie Teil des jeweils nationalliterarischen Gedächtnisses und fiel so bald vollkommen in Vergessenheit. Und dies obwohl sich einige Autorinnen und ihre Texte zu ihren Lebzeiten durchaus einer weitreichenderen Bekannt- und Beliebtheit erfreuten und eine nicht unwesentliche literarische und kulturhistorische Rolle spielten. Diese ,vergessenen‘ Autorinnen wieder sichtbar zu machen, ihre Werke – trotz fehlender aktueller Texteditionen – vorzustellen, in den literatur- und kulturhistorischen Kontext zu setzen und die literaturhistorische Bedeutung dieser herauszuarbeiten, ist eines der zentralen Anliegen der Tagung.

Im Fokus der Tagung sollen aber nicht nur unbekannte Werke ,vergessener‘ Autorinnen stehen, sondern auch Texte solcher Autorinnen, die (wie z.B. Madame de Lafayette, Madame de Graffigny oder Sor Juana Inés de la Cruz) den Weg in die offiziellen (d.h. gemeinhin männlich dominierten) Literaturgeschichten gefunden haben und als Akteure der jeweils nationalen Literaturgeschichten betrachtet werden. Bei den Werken dieser Autorinnen soll es vor allem um Neulektüren gehen: methodisch-theoretische Neuperspektivierungen sollen gängige Bewertungen und Interpretationsansätze modifizieren und neue Lesarten ermöglichen.

Die aktuell ausgeschriebene Tagung zum 17. und 18. Jahrhundert setzt eine Reihe vergangener Symposien fort, die es sich auch schon dem Rediscovering und Rereading verschrieben hatten. Wie bereits bei diesen Veranstaltungen soll mit der Präsentation von (Wieder-) Entdeckungen und Neulektüren von Texten romanischer Autorinnen ein weiterer Meilenstein in der bislang noch immer nicht vollständig geschriebenen Literaturgeschichte von Autorinnen der Romania gesetzt werden.

Die Tagung richtet sich an etablierte Romanistinnen, möchte aber ganz explizit auch in diesem Forschungsfeld arbeitende Nachwuchswissenschaftlerinnen ermutigen, ihre Ansätze und (ersten) Forschungsergebnisse zu präsentieren.

Bitte schicken Sie Ihren Vortragsvorschlag mit einem kurzen Abstract im Umfang von ca. 300-400 Wörtern zusammen mit einer kurzen Biobibliographie bis 31. März 2019 an PD Dr. Marina O. Hertrampf (marina.hertrampf@sprachlit.uni-regensburg.de) mit Cc an Prof. Dr. Renate Kroll (renate.kroll@romanistik.hu-berlin.de). Die Forschungsergebnisse sollen im Anschluss an die Tagung Eingang in eine Publikation finden.

Literaturhinweise (Auswahl)
Baader, Renate (1986): Dames de lettres. Autorinnen des preziösen, hocharistokratischen und ,modernen‘ Salons (1649-1698), Stuttgart: Metzler.
Baader, Renate / Fricke, Dietmar (Hrsg.) (1979): Die französische Autorin vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion.
Baranda, Nieves / Gurruchaga, Lucía Montejo (Hrsg.) (2002): Las mujeres escritoras en la historia de la literatura española, Madrid: UNED.
Caballé, Anna Masforroll (Hrsg.) (2003): La vida escrita por las mujeres: Por mi alma os digo. De la Edad Media a la Ilustración, Barcelona: Círculo de Lectores.
Zimmermann, Margarete (2005): Salon der Autorinnen. Französische dames de lettres vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert, Berlin: Erich Schmidt.