Stadt: Bamberg

Frist: 2019-07-15

Beginn: 2019-09-03

Ende: 2019-09-07

URL: https://www.uni-bamberg.de/romanistik/drvsommerschule/

Die Sommerschule

Die Sommerschule soll den bildungspolitisch zentral gewordenen Begriff der ‚kulturellen Bildung‘ in den laufenden Arbeitsfeldern in den romanistischen Teilfächern Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft sichten und diskutieren. Diese Verknüpfung hat in allen drei Teilen hochschuldidaktische Aspekte für Nachwuchsbildung in der Romanistik wie auch fachdidaktische Aspekte für die in der Romanistik wichtige Lehrerinnen- und Lehrerbildung. An drei Tagen wird je eine Expertin bzw. ein Experte zu dieser Problemstellung sprechen, die oder der ein Forscherprofil zwischen diesen Teilen aufweist.

Die zunehmende Medialisierung der Welt und der daraus folgende vereinfachte Zugang zu kulturellen Gütern konfrontieren täglich mit neuen, verschlüsselten, anderen Kulturen. Das Instrumentarium an Methoden, Techniken und Einstellungen zur Dekodierung und Reflexion wird als kulturelle Bildung bezeichnet. Darunter versteht man „die ästhetische-künstlerische Erziehung innerhalb des Lehrplans und darüber hinaus […] eine Sensibilisierung für kulturelle Inhalte und die Möglichkeit der Teilnahme am kulturellen Leben außerhalb des schulischen Kontextes.“ (Goethe-Institut, 2018) Gerade die Romanistik als Schnittstelle wissenschaftlicher Verhandlung verschiedener kultureller Referenzpunkte erfordert eine Sensibilität für die kulturelle Bildung und ihre Vermittlung.
Da der Begriff der kulturellen Bildung auch außerschulische Aspekte wie Kulturpolitik, Geschichtsvermittlung, Theater und Tanz, Erzählen und Literatur oder Filmbildung umfasst, ist eine Betrachtung nicht nur innerhalb der Fachdidaktik, sondern auch innerhalb der fachwissenschaftlichen Teildisziplinen notwendig. Hier muss die Romanistik neben ihren Forschungsaufgaben auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnehmen, denn “[k]ulturelle Bildung ist für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen unverzichtbar. Sie verbessert die Bedingungen für eine gelingende Bildungsbiografie und ermöglicht den Erwerb kognitiver und kreativer Kompetenzen. Sie trägt zur emotionalen und sozialen Entwicklung aller Heranwachsenden und zu ihrer Integration in die Gemeinschaft bei und ist somit Grundbedingung gesellschaftlicher Teilhabe.” (KMK, 2013)
Austauschprogramme wie beispielsweise das ERASMUS-Programm der Europäischen Union oder der Pädagogische Austauschdienst der KMK, ermöglichen eine Konfrontation, ein Greifbarmachen anderer Kulturen. Diese Möglichkeiten sind für die Studierenden der Fächer der romanischen Philologien wichtiger Bestandteil ihres Studiums. Jedoch sollten auch in den Vorlesungen, Seminaren und Kursen, die an der Heimatuniversität stattfinden, Möglichkeiten geboten werden, sich direkt mit Kulturen auseinanderzusetzen. Da die romanischen Sprachen gegenüber dem Englischen kulturell noch sehr dezidiert und nicht nur in ihrer Funktion als Weltsprachen wahrgenommen werden, ist die Romanistik in der Lage diese Thematik noch explizit aufzugreifen und zu bearbeiten. Im Falle der Romania ist eine spezielle Bindung der Sprachen an bestimmte Kulturräume und Identitäten gegeben, welche intensivere und tiefgreifendere Erfahrungen von Alterität ermöglichen. So ist kulturelle Bildung nicht nur bedeutsam für die Persönlichkeitsentwicklung und die gesellschaftlichen Teilhabe, sondern muss vielmehr unter dem Dach einer Allgemeinbildung verstanden werden, die die zuweilen hermetische Selbstbezüglichkeit der Einzeldiskurse geisteswissenschaftlicher Fachdisziplinen aufbricht und zu einem Verständnis sowie einer profunden Kenntnis der jeweiligen ‚Fremdkulturen‘ beiträgt. Es gilt daher Überlegungen anzustellen, ob und wie eine solche direkte, unmittelbare Erfahrung des ‚Anderen‘ in Literatur-, Kultur- und Sprachwissenschaft möglich ist und wie man sie den Studierenden bewusst machen kann. Unseres Erachtens steht die Romanistik gegenwärtig in einer gewandelten Hochschullandschaft vor solchen Aufgaben, was mit dem Nachwuchs des Fachs systematisch auf konkrete Vorhaben bezogen zu erweisen ist.

Die Universität Bamberg hat sich diesem Auftrag aus einer breiter angelegten geisteswissenschaftlichen Perspektive unter anderem im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung mit dem Projekt „WegE: Wegweisende Lehrerbildung“ gewidmet, besonders im Teilbereich „KulturPLUS: Kulturbezogene Bildung“. Dieses Teilprojekt will „Fächer vernetzen“, „Konzepte erforschen“, „Lehre profilieren“ und „Schulpraxis ausbauen“. In Verknüpfung mit KulturPlus soll sich die Sommerschule aktuellen Herausforderungen für die Geistes- und Kulturwissenschaft stellen und Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Ihre zukünftige Lehrtätigkeit vorbereiten.

Bewerbung

Die Organisatorin und Organisatoren ermutigen alle interessierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Romanistik, die sich im fortgeschrittenen Masterstudium, im Promotionsstudium oder der PostDoc-Phase befinden und deren Forschung thematisch zu der Sommerschule passt, bis zum 15. Juli 2019 ihre Bewerbung für die Teilnahme an der Sommerschule unter

drv-sommerschule2019.romanistik(at)uni-bamberg.de

einzureichen.

Bitte übersenden Sie hierzu ein Abstract, das den Vortragstitel und eine Skizze des Forschungsvorhabens sowie Ihre Kontaktdaten enthält (maximal 300 Wörter exkl. Bibliographie, Word-Dokument). Masterstudierende werden außerdem gebeten, ein schriftliches Empfehlungsschreiben einer Professorin oder eines Professors einzureichen. Für die Teilnahme an der Sommerschule sind ein Vortrag sowie die Anwesenheit an der gesamten Sommerschule verpflichtend.

Die Teilnehmenden sind selbst für die Organisation der Anreise und Unterkunft verantwortlich, erhalten jedoch einen Reisekostenzuschuss in Höhe von 200 Euro.

Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Christiane Fäcke (Augsburg): Schwerpunkt Sprachwissenschaft, Fremdsprachendidaktik und kulturelle Bildung
  • Prof. Dr. Kurt Hahn (München): Schwerpunkt Literaturwissenschaft, Literaturvermittlung und kulturelle Bildung
  • Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen (Regensburg): Schwerpunkt Kulturwissenschaft, Kulturvermittlung und kulturelle Bildung

Weiterführende Literatur

  • Assmann, Aleida. Einführung in die Kulturwissenschaft. Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen (Grundlagen der Anglistik und Amerikanistik 27). Berlin 2011
  • Matussek, Peter; Müller, Lothar. Kulturwissenschaft. Was sie will, was sie kann. Hamburg 2007
  • KMK. Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung. 2013.
  • „Dossier – Kulturelle Bildung“, Bundeszentrale für politische Bildung, http://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/kulturelle-bildung/
  • Eine Definition – Kulturelle Bildung: Was ist das?“, Goethe Institut, https://www.goethe.de/ins/lt/de/kul/mag/20490213.html

Organisationsteam

  • Florian Lützelberger (Bamberg)
  • Clemens Odersky (Bamberg)
  • Tanja Prohl (Bamberg)

Beitrag von: Clemens Odersky

Redaktion: Robert Hesselbach