7. transphilologische Jahrestagung Femmes de Lettres der FONTE-Stiftung: Erkenntnisräume. Narrative weiblicher Selbstbestimmung in Gesprächsinszenierungen europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit
Stadt: Berlin
Frist: 2026-05-17
Beginn: 2026-10-09
Ende: 2026-10-09
Fr, 9. Oktober 2026
Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10117 Berlin, Raum 2249a
Erkenntnisräume. Narrative weiblicher Selbstbestimmung in Gesprächsinszenierungen europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit
In Il Merito delle Donne (1600), einem literarischen Werk der italienischen Spätrenaissance, treffen sieben recht unterschiedliche Gentildonne zusammen, um sich angenehm zu unterhalten, woraus sich ein am zeitgenössischen Bildungs- und Wissensbestand orientiertes Streitgespräch entwickelt – unter anderem über männliche und weibliche Tugenden und Laster, Geschlechterrollen und Geschlechterhierarchien. Im geschützten Rahmen findet ihr ‚Salon‘ zunächst in einem Palazzo-Garten statt, der von einer eigenständig lebenden Frau einst angelegt wurde. Diese ließ auch einen Springbrunnen bauen, den sechs Skulpturen weiblicher Allegorien schmücken. An ihren Impresen identifiziert als Einsamkeit, Freiheit, Keuschheit, Naivität, Falschheit und Grausamkeit stellen die Brunnenfiguren Leitthemen vor, die von den Betrachterinnen erörtert und diskutiert werden.
Die Verfasserin dieses Werks, Moderata Fonte (1555–1592), ist die Namenspatronin der FONTE-Stiftung, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Anknüpfend an das Förderprofil der Stiftung – Forschungen zu Kunst und Literatur der Frühen Neuzeit, Autorinnen der Vormoderne, Genderthemen – und inspiriert von der Namensgeberin widmet sich die Tagung den Texten europäischer Autorinnen der Frühen Neuzeit, die Gespräche über Geschlechterrollen auf erfahrungsgeleiteten sowie wissenschaftlichen Reflexionsebenen inszenieren.
Eine Durchsicht der thematisch relevanten Handbücher und der einschlägigen Forschungsliteratur zeigt, dass die transphilologische Forschung zum Dialog von Frauen der Frühen Neuzeit weiterhin ein Desiderat darstellt. Hier setzt die geplante Tagung an; sie erweitert die vorliegende Dialog-Forschung um geschlechterhistorische Aspekte aus dem Querelle des Femmes-Diskurs und der Salonkultur. In und mit ihren Werken – so die Leitthese – schufen Autorinnen des 16.–18. Jahrhunderts Erkenntnisräume, die es in Einzelstudien zu erkunden gilt. Dabei sollen Themen und Narrative weiblicher Selbstbestimmung sowie Formen ihrer Inszenierung identifiziert und analysiert werden.
Denkbar sind einerseits themenorientierte Beiträge, die Beschreibungen und geschlechtsspezifische Deutungen von beispielsweise Begriffen wie Einsamkeit, Freiheit, Keuschheit, Naivität und dergleichen vornehmen. Welche Erkenntnisse und welches Wissen werden durch die Dialoge der Frauenfiguren vermittelt und generiert?
Andererseits soll ein Augenmerk auf die Inszenierung des Gesprächs gelegt werden, die als äußeres Gerüst die Räume von Erkenntnis definiert – von stilistischen Merkmalen über die Einbettung in bestimmte Rahmen und Settings bis hin zu dargestellten geselligen Praktiken weiblicher Gesprächskultur(en).
Entlang beider Schwerpunkte können weiterführende, disziplinübergreifende Fragen gestellt werden, die ebenfalls Eingang in die Tagungsbeiträge finden sollen: Inwieweit sind die gewählten Themen und Formen an Geschlechtlichkeit und zeitgenössische Geschlechterdiskurse geknüpft? Wie sind sie historisch, kultur-, literatur- und kunstwissenschaftlich einzuordnen? Gibt es gattungs- und/oder disziplinübergreifend vergleichbare Phänomene zu beobachten, z. B. auf der Bühne oder in der bildenden Kunst?
Angedacht sind Vorträge à 30 min (je 20 min Diskussion), die sich mit Moderata Fontes Werk und den oben skizzierten Fragestellungen auseinandersetzen. Zusätzlich sollen kleinere Beiträge (à 15 min) reale oder fiktive Erkenntnis-Räume des lehrreichen Gesprächs unter Frauen vorstellen, wie beispielsweise den Brunnen, den Garten, den bureau d’esprit oder den Salon.
Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge in der Reihe FONTE Atelier. Forschungen zu europäischen Autorinnen der Frühmoderne ist geplant.
Konferenzsprachen: Deutsch, Englisch
Eingabeschluss: 17. Mai 2026
Beitragsvorschläge (max. 350 Wörter) senden Sie bitte an: Dr. Katja Triebe (katja.triebe@hu-berlin.de), in CC Prof. Dr. Renate Kroll (renate.kroll@romanistik.hu-berlin.de).
Beitrag von: Susanne Gramatzki
Redaktion: Ursula Winter