Stadt: Leipzig

Frist: 2026-04-30

Beginn: 2026-06-04

Ende: 2026-06-07

Sommerschule an der Universität Leipzig: 4. bis 7. Juni 2026

Die Sommerschule zielt darauf, den romanistischen Nachwuchs durch praktische Literaturübersetzung und theoretische Auseinandersetzungen mit übersetzter Literatur für die komplexen Fragestellungen zu sensibilisieren, die sich aus der literatur- und kulturwissenschaftlichen Arbeit mit übersetzten literarischen Texten ergeben. Zwar sind Übersetzungen seit langem selbstverständlicher Bestandteil von Lehre und Forschung, doch bleibt das Spannungsverhältnis zwischen Original und Übersetzung häufig unzureichend reflektiert.
Übersetzungstheoretische und übersetzungspraktische Perspektiven berühren grundlegende literaturwissenschaftliche Fragen: In welchem Verhältnis stehen Original und Übersetzung zueinander? Sind Übersetzungen in einen erweiterten Werkbegriff einzubeziehen oder eröffnen sie einen eigenen ‚Werkraum‘? Die Auseinandersetzung mit solchen Problemen erfordert eine kritische Diskussion unterschiedlicher Theorien und Praktiken des literarischen Übersetzens.
Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem literaturwissenschaftlichen Umgang mit einzelnen Übersetzungen: Woran lässt sich ihre Qualität bemessen? Welche Rolle spielt Authentizität und wie sehr kann, darf oder muss bei der Übersetzung von Literatur in einen Text ‚eingegriffen‘ werden? Inwiefern verändert der Übersetzungsprozess die Literarizität eines Textes, etwa auf metaphorologischer, motivischer oder schreibstrategischer Ebene? Kann ist eine Bewertung von Übersetzungen aus literaturwissenschaftlicher Sicht überhaupt sinnvoll sein?
Besondere Relevanz gewinnen diese Fragen im romanistischen Kontext, in dem autorische Übersetzungstraditionen eine wichtige Rolle spielen und Texte aus ‚kleineren‘ romanischen Sprachen häufig von den Autor:innen selbst in ‚größere‘ Sprachen übertragen werden. Die Sommerschule greift diese Problemlagen auf und verbindet sie mit poetologischen Reflexionen zur Übersetzung.

Programm. Das Programm der Sommerschule ist entlang zweier miteinander verschränkter Achsen aufgebaut: Zum einen stehen übersetzungswissenschaftlich sowie literaturwissenschaftlich ausgerichtete Lehr- und Diskussionseinheiten im Mittelpunkt, zum anderen die tägliche praktische Übersetzungsarbeit unter Anleitung von Translationswissenschaftler:innen.
In enger Verbindung mit übersetzungswissenschaftlichen Fragestellungen werden literatur-, text- und kulturtheoretische Aspekte behandelt, die mit der Übertragung literarischer Texte einhergehen. Da sich das Spannungsfeld zwischen Original und Übersetzung in sogenannten ‚kleinen Literaturen‘ besonders deutlich zeigt, dienen Texte aus dem Galicischen als zentrales Beispiel. Deren literarische Produktion wird häufig nur über Übersetzungen und häufig über das Spanische rezipiert. Zugleich stellt sich die Frage, wie Phänomene von Mehrsprachigkeit in der Übertragung ins Deutsche adäquat nachgebildet werden können. Im Rahmen der Sommerschule werden daher Erzähltexte des galicisch- und spanischsprachigen Autors Diego Alfonsín Rivero (*1980) gemeinsam übersetzt und diskutiert.
Ergänzend zur praktischen Übersetzungsarbeit widmen sich thematische Einheiten spezifischen Problemfeldern wie der Rolle phraseologischer Einheiten in literarischen Texten, Fragen von Diachronie und Diatopie als Übersetzungsherausforderung, dem Schreiben und der (Auto-)Übersetzung im Kontext von Zwei- und Mehrsprachigkeit sowie dem Verhältnis von Authentizität und literaturtheoretischer Reflexion im Übersetzungsprozess.
Unter Anleitung der Fachleute wird Birken (2025) von Diego Alfonsín Rivero von den Teilnehmenden ins Deutsche übertragen. Der Text liegt sowohl auf Galicisch als auch auf Spanisch vor; Ausgangstext wird i.d.R. die spanische Fassung sein. Die Übersetzung in eine andere romanische Sprache oder aus dem Galicischen ist bei Interesse und entsprechenden Sprachkenntnissen möglich. Bitte geben Sie dies gegebenenfalls in Ihrer Bewerbung an. In Vorbereitung auf die Sommerschule sollte das Werk gelesen worden sein, die in der Werkstatt gemeinsam zu übersetzenden Auszüge sollen in Eigenarbeit bereits vorher übersetzt und einige wenige Artikel sollen als vorbereitende Lektüre für die theoretischen Einheiten bearbeitet werden.

Bewerbungsmodalitäten. Die Sommerschule richtet sich an fortgeschrittene Studierende, an Promovierende sowie Forschende der Hispanististik oder Lusitanistik, Iberoromanistik oder Romanistik sowie Translatologie bzw. Übersetzungswissenschaft. Aufgrund des starken Praxisbezugs des Seminarprogramms sind fortgeschrittene Spanisch- und/oder Galicischkenntnisse erforderlich. Erfahrungen im Übersetzen sind wünschenswert, jedoch nicht zwingend.
Bei Interesse wird bis 30. April 2026 ein Motivationsschreiben (max. 1 Seite) sowie ein kurzer tabellarischer Lebenslauf an angela.calderon@uni-leipzig.de erbeten.
Als Tagungsort wird ein restauriertes Bauernhaus in Coswig (Sachsen-Anhalt) dienen; genaue Anreisedaten werden den Teilnehmenden nach der Zusage bekannt gegeben. (Beginn des fachwissenschaftlichen Programms ist am 4. Juni um 14h15; alle Teilnehmenden sind jedoch herzlich dazu eingeladen, um 13h15 mit einem gemeinsamen Mittagessen die Sommerschule zu beginnen. Die Sommerschule endet am 7. Juni gegen 13h00). Den Teilnehmenden werden die Reisekosten erstattet, Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden übernommen. Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben.
Für etwaige Rückfragen wenden Sie sich gerne an Ángela Calderón (angela.calderon@uni-leipzig.de). Wir freuen uns auf Ihre Bewerbungen.

Organisation. Prof. Dr. Carsten Sinner (Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie, Universität Leipzig), Dr. Ángela Calderón (Institut für Romanistik, Universität Leipzig). Die Veranstaltung wird durch das Ministerio de Cultura Spaniens finanziert.

Beitrag von: Ángela Calderón Villarino

Redaktion: Ursula Winter