Nachruf auf Wolfram Krömer
(25.3.1935-15.3.2026)

Mit dem Tod von Wolfram Krömer verliert die Romanistik einen herausragenden Gelehrten, die Universität Innsbruck eine prägende Persönlichkeit und Generationen von Studierenden einen engagierten Lehrer und Förderer.
Geboren in Wünsdorf bei Berlin, führte ihn sein akademischer Weg früh an verschiedene europäische Universitäten. Er studierte Germanistik und Romanistik in Bonn, Dijon, Köln und Genua – Stationen, die bereits die internationale Ausrichtung seines wissenschaftlichen Interesses erkennen lassen. Nach Promotion und Staatsexamen begann er seine akademische Laufbahn als Lektor an der Universität Valencia (1961-1963). Es folgte eine Assistentenstelle für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes (1963-1969), wo er sich mit seiner Habilitationsschrift zur Weltanschauung, Ästhetik und Poetik des Neoklassizismus und der Romantik in Spanien (1967) als Romanist profilierte.
Nach Lehrstuhlvertretungen in Kiel, Bonn und Innsbruck wurde Wolfram Krömer im Jahr 1970 als ordentlicher Universitätsprofessor an die Universität Innsbruck berufen. Rufe nach Mainz sowie später nach Erlangen-Nürnberg lehnte er ab – ein deutliches Zeichen seiner Verbundenheit mit der Alpenstadt und seiner Begeisterung für die Berge. Mit großem Engagement widmete er sich dem Wiederaufbau und der Weiterentwicklung des Instituts für Romanistik, das nach dem Tod seiner Vorgänger neu zu strukturieren war. Dieses Wirken hat das Institut nachhaltig geprägt.
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit übernahm Krömer zahlreiche verantwortungsvolle Funktionen innerhalb der Universität. Er war mehrfach Vorstand des Instituts für Romanistik, von 1981 bis 1983 Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät und von 1985 bis 1987 Rektor der Universität Innsbruck. Trotz der hohen administrativen Belastung blieb er stets ein leidenschaftlicher Forscher und Lehrer. Kolleginnen und Kollegen wie Studierende schätzten seine Verlässlichkeit, seine intellektuelle Klarheit und seine Bereitschaft, wissenschaftlichen Nachwuchs großzügig zu fördern.
Auch über die Universität hinaus wirkte Krömer durch die Organisation internationaler Tagungen und Symposien. Das Heim der Familie Krömer wurde zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt. Gemeinsam mit seiner Frau kultivierte er gelebte Gastfreundschaft, welche die Überzeugung von Gertrut und Wolfram Krömer zum Ausdruck brachte, dass Wissenschaft vom Dialog lebt.
Sein wissenschaftliches Werk umfasst bedeutende Studien zur französischen, italienischen und allgemeinen romanischen Literatur, insbesondere des 19. Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Monographien zählen Arbeiten zu Dichtung und Weltsicht des 19. Jahrhunderts, zur französischen Romantik, zur französischen Novelle und zur Kurzerzählung auch in den anderen romanischen Literaturen, zu Stendhal, zu Flaubert sowie zur Commedia dell’arte. Seine Forschungen verbinden literaturhistorische Präzision mit einem weiten kulturwissenschaftlichen Horizont und haben die Romanistik nachhaltig bereichert.
Mit Wolfram Krömer verliert die akademische Welt einen Gelehrten von großer Integrität, Weitsicht und menschlicher Zugewandtheit. Sein wissenschaftliches Werk, sein institutionelles Wirken und die Erinnerung an ihn als Lehrer und Gastgeber werden weit über seinen Tod hinaus fortleben.

Beitrag von: Gerhild Fuchs

Redaktion: Robert Hesselbach